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Ein Schaffner signalisiert am Hauptbahnhof Hannover dem Lokführer die Abfahrt. Die Gewerkschaft GDL fordert Verbesserungen für das Zugpersonal. Foto: Prautsch
Ein Schaffner signalisiert am Hauptbahnhof Hannover dem Lokführer die Abfahrt. Die Gewerkschaft GDL fordert Verbesserungen für das Zugpersonal. Foto: Prautsch
13.01.2017

Bahn-Konflikt fährt in die Schlichtung

Berlin. Sechs Runden genügten in den Tarifverhandlungen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit der Deutschen Bahn nicht, um zu einer Verständigung zu gelangen. Dann reichte es der GDL, sie erklärte die Verhandlungen für gescheitert und rief die Schlichtung an. Beide Seiten werfen sich gegenseitig fehlende Verhandlungsbereitschaft vor.

Die beiden Schlichter Bodo Ramelow (Linke), Regierungschef von Thüringen, und Matthias Platzeck (SPD), Ex-Ministerpräsident von Brandenburg, sollen Brücken bauen. Bei ihrem ersten Einsatz vor anderthalb Jahren hatten sie erfolgreich vermittelt. Nur wenn sie scheitern, drohen den Fahrgästen Streiks.

Es sind vor allem Lokführer und Zugbegleiter, insgesamt rund 35 000 Beschäftigte, für die die GDL neben der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) das Verhandlungsmandat hat. Über die Einkommenserhöhung scheint eine Verständigung leichter möglich als über die Frage, wie die Ruhezeiten künftig geregelt werden. Die GDL pocht auf mehr zusammenhängende freie Tage, festgelegt im Tarifvertrag. Die Bahn ist gegen eine zu starre Regelung, sie will eher flexible Lösungen in den Betrieben.

Die GDL will für ihre Mitglieder „unverzüglich wirksame Regelungen zur Reduzierung ihrer Belastung“ durchsetzen. Das Zugpersonal soll nach ihrer Vorstellung mit den anderen Beschäftigten gleichgestellt werden. Das heißt konkret: Nach fünf Arbeitstagen sollen zwei freie Tage folgen. Außerdem verlangt die GDL vier Prozent mehr Gehalt für ihre Leute.

Maßgeschneiderte Lösungen

Im Gegenzug bietet die Bahn Zugeständnisse an: Man will „unzumutbare Belastungen“ für das Zugpersonal verringern. Es gebe „die verbindlichen Zusage, da wo es Probleme gibt, zum Beispiel in Ballungsräumen oder im Bordservice mit maßgeschneiderten Lösungen anzusetzen“, sagte Personalvorstand Ulrich Weber. Die Bahn habe „Maßnahmen für eine bessere Planbarkeit und mehr Verlässlichkeit im Schichtdienst“ angeboten. Beim Geld bot der Konzern zuletzt ein Plus von 1,5 Prozent ab April 2017 an und eine Einmalzahlung von 550 Euro. Die Bahn rechnet, anders als die GDL, außerdem eine schon 2015 vereinbarte Arbeitszeitsenkung ab 2018 hinzu, die sie mit 2,6 Prozent veranschlagt.

Die Bahn lehnt jedoch die GDL-Forderung ab, den Abstand zwischen zwei Ruhetagen auf höchstens 120 Stunden, also fünf Tage, festzulegen. „Die GDL will ein starres System, das nicht kompatibel ist mit dem Eisenbahnbetrieb in einem Rund-um-die-Uhr-Betrieb und wenig Platz für individuelle Dienstplanwünsche der Mitarbeiter lässt“, sagt Weber. Erfülle man die Forderungen der GDL, führe das „zu einer Vier-Tage-Woche mit 30 Wochenstunden und vollem Lohnausgleich“.