nach oben
Zum Anbeißen findet Sahdeva Bindu (links) die Brillant-Uhr von August Kern aus Keltern.
Fußball-Einlage am Rande der Baselworld: Sprinter-Legende Usain Bolt (links) macht auch am Ball eine gute Figur. Hier im Duell mit Roberto Carlos beim Hublot Match of Friendship. Im Hintergrund Diego Maradona. Gestern trainierte Bolt bei den Stars von Borussia Dortmund mit. ProKefalas/KEYSTONE/dpa
Zu den Pforzheimer Pionieren auf der Baselworld zählt die Uhrenfirma Para: Marion Raff, Jeffrey Tang und Minucci Wong aus Hongkong sowie Jochen Raff (von links).
Verspielte Verschlüsse an den Perlenketten von Ralf Mezger.
Zum Anbeißen findet Sahdeva Bindu (links) die Brillant-Uhr von August Kern aus Keltern.
Zum Anbeißen findet Sahdeva Bindu (links) die Brillant-Uhr von August Kern aus Keltern.
23.03.2018

Baselworld startet besser als erwartet - Schmuckfirmen aus Pforzheim hoffen auf die kommenden Messetage

Schon auf dem Messevorplatz wird gestern jedem schnell klar, wohin die Messereise geht. In Richtung Halle 1, wo die großen Schweizer Uhrenmarken ihre Mega-Messestände aufgebaut haben, drängen sich die Interessenten und Einkäufer aus aller Welt, um die Neuheiten unter die Lupe zu nehmen und erste Order zu tätigen. Obwohl die Baselworld einen Aussteller-Rückgang von fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen hat, scheint die Lust besonders auf hochwertige Zeitmesser ungebrochen.

Bildergalerie: Erste Eindrücke von der Schmuckmesse "Baselworld"

Ruhe dagegen zu Messebeginn gestern in der Schmuckhalle, die nur noch zur Hälfte belegt ist und die 16 noch übrig gebliebenen Aussteller aus Pforzheim und dem Enzkreis beherbergt. Auch Gerhart Odenwald, der 1974 zu den ersten Pforzheimern gehörte, der einen Stand in Basel aufschlug, kommt ins Grübeln. „Wie soll das weitergehen?, fragt er sich und blickt sorgenvoll auf den Gang, auf den sich nur gelegentlich Kunden verirren. Er wundert sich auch, warum die Zahl der italienischen Aussteller ähnlich wie die Pforzheimer Zahl von fast 80 auf nur noch 18 Firmen eingebrochen ist.

Michael Keller, Geschäftsführer von Heinrich Lausch, wird nach der Messe auch zum Taschenrechner greifen und die Zahlen von Basel analysieren. „München war eine gute Messe für uns, und wenn die Bilanz hier nicht stimmt, dann werden wir uns im kommenden Jahr eine neue Präsentation, vielleicht in Vicenza, suchen“, betont er. Auch Jochen Raff von der Uhrenfirma Para wird nach der Messe ein waches Auge auf den Standort Basel werfe. „Was 2019 passiert, da müssen wir abwarten“, betont er. Sein Vater gehörte zu den Basel-Pionieren. Ein Pforzheimer Aussteller, der nicht namentlich genannt werden will, sprach gar von einer diplomatisch geschickten „Entsorgung“ von kleinen Firmen, die nicht ins Marken-Konzept der Messeleitung passen würden. Gellner, Jörg Heinz, Daub, Stowa, Aristo, Ziegler, Bülling, Eugen Rühle, Kühnel und J. Köhle sind einige jener Namen, die viele Jahre in Basel präsent waren und jetzt von der Bildfläche verschwunden sind.

Stefan Schnirch von Schreibgeräte Waldmann aus Birkenfeld stellt gegenüber der PZ klar. „Einige Partner kommen nicht mehr, weil große Firmen der Baselworld den Rücken gekehrt haben und wir werden nach der Messe auch Bilanz ziehen, wie es weitergeht.“

Für Gerhard Scholl von der Pforzheimer Schmuckmanufaktur Artur Scholl hat sich die Situation am bewährten Standort gegenüber der Vergangenheit verbessert. „Wir haben durch die Umgestaltung der Schmuckhalle neue Nachbarn bekommen, und das tut uns gut, weil so das Niveau und die Qualität der Firmen deutlich angehoben wurde“.

Keine Schnellschüsse will August Lothar Kern, Seniorchef der Uhrenfirma Kern aus Keltern-Weiler abgeben. „Ich bin seit 50 Jahren im Geschäft, habe die Basler Messe von den Anfängen an erlebt.“ Kern setzt auf die internationalen Kunden, besonders aus den Emiraten. „Wir haben eine sehr gute Qualität und können günstiger als die Nobelmarken kalkulieren.“ Erst kürzlich hat Kern in Doha der Königsfamilie Uhren aus der neuen Kollektion „Illusionen“ verkauft. Die Uhr ist nicht nur ein Zeitmesser, sondern ein wahres glitzernde Schmuckstück, das nebenbei noch die genaue Zeit anzeigt. Und für Guido Grohmann, den Hautgeschäftsführer des Bundesverbands Schmuck und Uhren, war am Abend des ersten Messetages klar. „Die Baselworld ist besser gestartet, als die Pessimisten vorhergesagt hatten“. Glaubt man den Disponenten der großen Firmen, soll der heutige zweite Tag viele neue Käufer in die Messehallen bringen. Joachim Dünkelmann, der Geschäftsführer des Handelsverbands Juweliere, hat bei einem ersten Rundgang festgestellt, dass alle wichtigen deutschen Juweliere in Basel sind und viele Termine vereinbart haben.

Mehr Bilder von der Baselworld unter www.pz-news.de