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Beim PZ-Gespräch (von links) PZ-Redakteur Lothar Neff, geschäftsführender PZ-Verleger Thomas Satinsky, Mathias Morlock, PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer und die Handwerksvertreter Rolf Nagel, Hans-Peter Dennig und Heiko Seiter. Foto: Meyer
Beim PZ-Gespräch (von links) PZ-Redakteur Lothar Neff, geschäftsführender PZ-Verleger Thomas Satinsky, Mathias Morlock, PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer und die Handwerksvertreter Rolf Nagel, Hans-Peter Dennig und Heiko Seiter. Foto: Meyer
Maurer Fabio Iannone auf einer Schellbronner Baustelle. Wer gerne draußen arbeitet, kann sich als Lehrling am Bau auf eine relativ hohe Ausbildungsvergütung freuen. Foto: Ketterl
Maurer Fabio Iannone auf einer Schellbronner Baustelle. Wer gerne draußen arbeitet, kann sich als Lehrling am Bau auf eine relativ hohe Ausbildungsvergütung freuen. Foto: Ketterl
04.08.2017

Bauinnungs-Obermeister Denning: „Haben alle Hände voll zu tun“

Pforzheim Sie sind gut ausgelastet: Regionale Handwerker kennen kein Sommerloch. Die Innungsbetriebe melden beim PZ-Gespräch ab er viele offene Lehrstellen.

Volle Auftragsbücher im regionalen Handwerk. „Die Kunden nutzen das Zinstief für Investitionen in ihre Gebäude“, erläutert Hans-Peter Dennig, Obermeister der Bauinnung Pforzheim/Enzkreis. Dafür müssen sie aber tiefer in die Tasche greifen, denn die Baukosten sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das hängt weniger mit höheren Löhnen und Preisen für Baumaterialen zusammen als mit den Auswirkungen der Energieeinsparverordnung, beklagen regionale Handwerker im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“.

Doch die vollen Auftragsbücher haben auch ihre Schattenseiten: Der Wilferdinger Unternehmer Dennig verweist auf die hohe Arbeitsbelastung für die Beschäftigten am Bau, die derzeit alle Hände voll zu tun haben. Und das bei Temperaturen bis 45 Grad in der Sonne. Von Mitte März bis Mitte November haben sie Hochsaison – es gilt auch Arbeitszeit für die Wintermonate vorzuholen. Außerdem leiden die regionalen Innungs-Baubetriebe unter der Konkurrenz durch Unternehmen, die nicht der Umlageverpflichtung zur tariflichen Sozialkasse der Bauwirtschaft unterliegen. „Das sind betriebliche Mehrkosten von 23 Prozent“, so Dennig. Der Mindestlohn am Bau liegt übrigens mit 11,50 Euro deutlich über dem anderer Branchen.

„Auch die Lehrlingsvergütungen sind höher“, ergänzt der Obermeister. „Wer sich für einen Bauberuf entscheidet, erhält eine fundierte und vielseitige Ausbildung. Die Lehre dauert im allgemeinen drei Jahre und erfolgt im Betrieb, in der Berufsschule und in unserem überbetrieblichen Ausbildungszentrum.“ „Wir haben die landesweit höchste Ausbildungsquote“, ergänzt Dennig. Wichtig ist ihm die Vermittlung eines Gemeinschaftsgefühls. „Die jungen Leute sollen spüren, dass sie dazu gehören.“

Laut einer aktuell von der Kreishandwerkerschaft vorgelegten Liste finden junge Menschen derzeit noch offene Ausbildungsplätze als Anlagenmechaniker (Sanitär-Heizung-Klima), dem Bäcker- und Konditorhandwerk, als Dachdecker, Elektroniker, Fleischer sowie Fleischereifachverkäuferin, Glaser/Fensterbauer, Kfz-Mechatroniker, Schreiner, Ofenbauer sowie als Maler- und Lackierer. Für diesen vielseitigen Ausbildungsberuf wirbt Innungsobermeister Heiko Seiter. Maler- und Lackierer seien längst nicht mehr auf die farbliche Gestaltung der Wände beschränkt. „Wir gestalten Räume und damit individuelle Lebenswelten.“ Neue Mitarbeiter seien immer willkommen, sagt Seiter. Denn auch sein Gewerbe profitiere von der Investition in die eigenen vier Wände. „Wir haben aktuell ein positives Sommerloch. Urlaubsbedingt kommen weniger Anfragen, was uns die Gelegenheit gibt, die bestehenden Aufträge auszuführen.“

Was die längeren Wartezeiten angeht, verweisen Seiter und Dennig auf Termine bei einem Facharzt, wo man bis zu drei Monaten Geduld haben müsse. Ganz so lange müsse man auf einen zuverlässigen regionalen Handwerker zum Glück nicht warten. Der durchschnittliche Auftragsbestand liege im Bau- und Ausbaubereich derzeit bei sechs bis acht Wochen. Nichts Außergewöhnliches, denn in den Boomjahren der 1970er- und 1980er-Jahre musste man bis zu sechs Monate auf Handwerker warten. „Insgesamt gesehen genießen Handwerker einen guten Ruf, wenngleich auf Einschaltquote ausgerichtete TV-Reportagen teilweise ein ganz anderes Bild vermitteln“, ergänzt Kreishandwerker-Geschäftsführer Mathias Morlock.