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Die Harmonie, die dieses Foto vermittelt, gehört bei Volkswagen inzwischen der Vergangenheit an.  Stratenschulte
Die Harmonie, die dieses Foto vermittelt, gehört bei Volkswagen inzwischen der Vergangenheit an. Stratenschulte
15.03.2016

Bei VW hängt der Haussegen schief

Der krisengeschüttelte Volkswagen-Konzern nimmt Kurs auf eine heftige Auseinandersetzung um den neuen Haustarif in diesem Frühsommer. Erklärtes Ziel der Arbeitnehmerseite ist trotz der milliardenteuren Abgas-Affäre ein Abschluss mindestens auf dem Niveau des Metall-Flächentarifes. Zudem soll die auslaufende Altersteilzeit ohne Abstriche für Arbeitnehmer in die Neuauflage gehen. Zugeständnisse angesichts des Diesel-Skandals sollen auf jeden Fall vermieden werden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Gewerkschaftskreisen.

Der VW-Haustarif ist der größte Firmentarifvertrag in der deutschen Privatwirtschaft. Er gilt für 120.000 Menschen vor allem in Niedersachsen und umfasst die sechs westdeutschen VW-Werke Emden, Hannover, Salzgitter, Braunschweig, Wolfsburg und Kassel sowie die VW-Finanztochter. Seit 2008 orientieren sich die Tarifforderungen an denen der Fläche. In den vergangenen Jahren fielen die Erhöhungen immer gleich aus, im VW-Haustarif gab es aber meist ein Sahnehäubchen obendrauf – etwa Einmalzahlungen oder einmalige Rentenzuschüsse.

Der Haustarif sichert den VW-Beschäftigten jeden zehnten Euro vom Gewinn vor Zinsen und Steuern bei der Pkw-Kernmarke als Erfolgsbonus.

Zuletzt flossen 5900 Euro pro Kopf. Da VW-Pkw wegen der Diesel-Krise in den roten Zahlen steckt, soll diesmal für das Jahr 2015 alternativ eine „Anerkennungsprämie“ fließen. Die genaue Höhe ist noch unklar. Im VW-Haustarif kommt ein durchschnittlicher Facharbeiter mindestens auf gut ein Zehntel mehr Einkommen als im IG-Metall-Flächentarif für Niedersachsen. Demnach stehen als Eckentgelte 2856 Euro in der Fläche den bei VW-gängigen Facharbeiter-Eckentgelten 3378 und 3540 Euro gegenüber – ein Unterschied von ungefähr einem Fünftel. Jedoch ist im Flächentarif laut IG Metall eine Leistungszulage von zehn Prozent der Standard, was das Eckentgelt daher auf 3140 Euro anhebt. Bei VW wiederum fließt eine „Leistungsorientierte Vergütungskomponente“ von im Schnitt etwa 100 Euro. Damit bleibt ein Unterschied von 11 bis 16 Prozent. Hinzu kommt die in Rekordzeiten üppige Erfolgsbeteiligung im VW-Haustarif, zuletzt waren das mehrere Tausend Euro pro Kopf.

Die Arbeitnehmer verweisen darauf, dass VW sich im Rennen um die Fachkräfte vor allem mit anderen Autobauern vergleichen müsse – weniger mit Zulieferern, bei denen meist der Metall-Flächentarif greift. Daimler und BMW haben ihre Heimat in Tarifregionen, in denen das Entgeltniveau spürbar über dem in Niedersachsen liegt. Wie Konzernkreise berichteten, hofft die Arbeitgeberseite bei VW, die Krise im Abgas-Skandal für Einschnitte im Haustarif nutzen zu können. Dem trat Betriebsratschef Bernd Osterloh jedoch schon entgegen. „Wir als Beschäftigte werden nicht die Zeche zahlen“, sagte er in der vergangenen Woche beim internen Teil einer VW-Betriebsversammlung vor 20.000 Mitarbeitern. Anders als im Flächentarif der Metaller, die für eine reine Entgeltrunde kämpfen, streitet VW im Haustarif auch um die Altersteilzeit.