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Für sie hat es sich wohl gelohnt: Beschäftigte der Firma Mapal WWS auf der Wilferdinger Höhe beteiligten sich erstmals an Warnstreikaktionen der IG Metall. Foto: Privat
Für sie hat es sich wohl gelohnt: Beschäftigte der Firma Mapal WWS auf der Wilferdinger Höhe beteiligten sich erstmals an Warnstreikaktionen der IG Metall. Foto: Privat
13.05.2016

Beim Metall-Abschluss ging es nicht allein um mehr Geld

Am Ende sind alle Beteiligten zufrieden mit dem, was auf dem Tisch liegt: IG Metall und Arbeitgeber aus Nordrhein-Westfalen sowie die Bundesspitzen, die Pilotverhandlungen stets eng begleiten. „Der Abschluss ist ein solider Dreiklang von Laufzeit, Entgelt und Wettbewerbskomponenten“, lobt Rainer Dulger, Präsident des Bundesverbandes Gesamtmetall, das Ergebnis der zurückliegenden Marathonsitzung. Insgesamt 4,8 Prozent mehr für 21 Monate.

IG Metall-Chef Jörg Hofmann ergänzt: „Die Beschäftigten erhalten eine faire Bezahlung.“ Doch können wirklich beide Seiten zufrieden sein? Die Arbeitnehmer dürfen sich nach Einschätzung des Tarifexperten der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung, Reinhard Bispinck, auf deutliche Reallohnsteigerungen einrichten, auch dank der historisch niedrigen Inflation. Der Zweistufen-Abschluss liege in diesem Jahr noch vor dem öffentlichen Dienst an der Spitze und werde positive Signalwirkung auf die Verhandlungen in anderen Branchen wie Chemie, Bau oder bei den Banken haben. Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater sieht die deutsche Binnenkonjunktur gestärkt. Sie könne langsam die vom Ausland in sie gesetzte Hoffnung erfüllen, die europäische Wirtschaft kräftig anzuschieben.

Im Arbeitgeberlager sind zumindest Zweifel an der Höhe des Abschlusses vorhanden, wie bereits die erste Reaktion des Maschinenbauverbands VDMA zeigte. Immerhin steht am Ende der Laufzeit von 21 Monaten ein zusätzlicher Kostenblock von zehn Milliarden Euro, wie Gesamtmetallchef Dulger beklagt. Die jährlichen Steigerungsraten sind laut Gesamtmetall mit 2,45 Prozent auf die Laufzeit zwar deutlich geringer ausgefallen als in den vergangenen Jahren, müssen aber auch erst einmal verdient werden.

Gerhard Flöck, Geschäftsführer der Pforzheimer Witzenmann-Gruppe und Bezirksvorsitzender von Südwestmetall, hatte im Vorfeld der Tarifauseinandersetzung auf die hohe Kostenbelastung für mittelständische Betriebe hingewiesen. Allein in den vergangenen drei Jahren hätten die Tarifabschlüsse mit der IG Metall zu rund 13 Millionen Euro höheren Personalkosten bei Witzenmann geführt. Das entspricht den jährlichen Investitionskosten des Familienunternehmens am Standort Pforzheim. Die vereinbarten Lohnerhöhungen seien „ein Vorschuss auf eine ungewisse Zukunft“. Gerade für exportorientierte Unternehmen seien die Aussichten alles andere als rosig, betont Flöck. Witzenmann hatte zuletzt einen Umsatzrekord erzielt.