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24.11.2017

Beim bundesweiten Standortvergleich liegt der Süden vorn - Pforzheim immerhin im Mittelfeld

Manchmal können überquellende Mülltonnen vom Zeitalter der Digitalisierung künden. Wenn an der Technischen Universität (TU) Darmstadt die Abfallbehälter voll sind, geht bei den örtlichen Stadtwerken ein Signal ein.

Die schicken dann ein Müllfahrzeug vorbei – anstatt den halben Tag herumzugondeln und nach festen Routen meist halb leere Behälter zu leeren. Nur ein Beispiel für die Zukunftsfähigkeit der 159 000 Einwohnerstadt unweit der Metropole Frankfurt. Bei der Wirtschaftskraft liegt Darmstadt bundesweit auf Rang neun, die Goldstadt (123 000 Einwohner) belegt im aktuellen Städteranking von „Wirtschaftswoche“ und dem Portal „Immobilienscout24“ nur den 32. Rang unter 70 Großstädten.

Besonders gut aufgestellte Städte über 100 000 Einwohnern sind vor allem in der Südhälfte Deutschlands zu finden. Spitzenreiter ist München vor Ingolstadt. Deutlich vor Pforzheim liegen auch die Städte Stuttgart (3.), Ulm (8.), Karlsruhe (12.) Freiburg (13.), Heidelberg (16.), Heilbronn (19.) und Mannheim (20). Die Landeshauptstadt kletterte in diesem Jahr gleich zwei Plätze im Ranking nach oben. Ulm wiederum profitiert von seiner exzellenten Lage in einer starken Mittelstandsregion an der Grenze von Bayern und Baden-Württemberg.

Zurück nach Darmstadt: Dort leben 41 000 Studenten, was den Ruf der südhessischen Kommune als Wissenschaftsstadt unterstreicht. Sie profitiert von der starken Technischen Universität und über 30 Forschungsinstituten. In diesem Punkt hat Pforzheim noch deutlichen Nachholbedarf.

Trotz einer bundesweit bekannten Hochschule lässt die Zahl der Absolventen, die später in der Goldstadt bleiben, zu wünschen übrig. Mit einer Quote von 12,9 Prozent Akademikern und lediglich zwei Prozent Ingenieure rangiert man bundesweit nur auf Rang 56. Auf den hinteren Plätzen im Ranking folgen nordrhein-westfälische Städte wie Duisburg (62.), Oberhausen (64.) und Gelsenkirchen als Vorletzter.

Für die jährliche Studie verglich die Gesellschaft IW Consult des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Wirtschaftslage, Veränderungsraten bestimmter Indikatoren sowie Zukunftsperspektiven der 70 kreisfreien Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern. Über 100 Faktoren aus Bereichen wie Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt, Immobilien, Forschungsstärke, Industrie der Zukunft und Lebensqualität wurden analysiert.

Eine der Pforzheimer Stärken im Niveauranking sind der hohe Beschäftigungsanteil älterer Mitarbeiter und Fachkräfte. Im Jahr 2016 lag der Anteil der Beschäftigten im Alter von über 55 Jahren in Pforzheim bei 57,7 Prozent – was bundesweit Platz drei bedeutet. In Pforzheim wurden 2016 rund 62,8 Prozent aller registrierten Straftaten aufgeklärt. In anderen Großstädten liegt die durchschnittliche Aufklärungsquote bei nur 55 Prozent – Rang 7. Allerdings ist der Trend der vergangenen Jahre negativ: Durch die weiter steigende Zahl von Straftaten dürfte Pforzheim seinen aktuell hervorragenden 14. Platz verlieren.

Ein großes Plus für Pforzheim ist die Zuwanderung. Die Anzahl der Einwohner stieg zwischen 2011 und 2015 um 6,1 Prozent. Im Mittel verzeichneten die Städte einen Einwohnerzuwachs von nur 3,7 Prozent. Pforzheim erreicht damit Platz elf. Die Kehrseite: Der Anteil der betreuten Kleinkinder in Kindertageseinrichtungen betrug 18,8 Prozent je 100 Einwohner in diesem Alter. Der Durchschnitt lag bei 32,3 Prozent. Nur Rang 66.

Zwischen 2011 und 2016 stieg der Anteil der überschuldeten Erwachsenen bundesweit lediglich um 0,9 Prozentpunkte. In Pforzheim wuchs der Anteil um 2,5 Prozentpunkte. Platz 68.

Die Steuerkraft (Grundsteuer, Gewerbesteuer und die Anteile an der Kommune an Einkommen- und Umsatzsteuer) stieg bundesweit um 160 Euro je Einwohner. In derc Goldstadt waren es lediglich 40 Euro: Rang 66.