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Wollen die MSK Zerspanungstechnik auf Kurs bringen (von links): Canan Kutlubulut, Andre Keck, Marko Marojevic und Halil Kunt.  Foto: MSK Zerspanungstechnik 
MSK Übernahme Canan Kutlubulut
Im Gespräch mit der PZ: Unternehmer Canan Kutlubulut.  Foto: MSK Zerspanungstechnik 

Berliner expandiert im Nordschwarzwald mit Erwerb der MSK Zerspanungstechnik

Pforzheim. Canan Kutlubulut ist im Nordschwarzwald auf Einkaufstour. Erst übernahm der gebürtige Berliner Ende 2020 die K. Brandstätter CNC-Mechanik GmbH in Calw, dann Anfang dieses Jahres die Grammel Präzisionsdrehteile GmbH & Co. KG in Enzklösterle und nun folgt die MSK Zerspanungstechnik GmbH mit Sitz auf der Wilferdinger Höhe in Pforzheim. Die Kutlubulut Holding wächst – wie macht er das?

Nun, der Diplom-Ingenieur verfolgt die sogenannte Buy-out-Strategie. Das kommt vor allem bei kleinen bis mittelständischen Unternehmen zum Einsatz, wenn niemand in der Familie die Unternehmensnachfolge anstrebt. Bei einem Buy-out wird der Betrieb von einem nahestehenden Unternehmen übernommen – das kann beispielsweise ein Kunde sein.

So wie im Falle der MSK. Sie stand mit der Firma K. Brandstätter geschäftlich in Verbindung. Als ein Hauptkunde von MSK, der 80 Prozent des Umsatzes ausmachte, plötzlich absprang, stand das Pforzheimer Unternehmen vor einem Scherbenhaufen. Was also tun? Die drei Gesellschafter Marko Marojevic, Michael Schroth und Andre Keck wandten sich Canan Kutlubulut, ob er nicht den Betrieb übernehmen wolle. Für ihn war die Sache klar: „Wir kannten die Qualität und die Zuverlässigkeit der Firma“, sagt der 49-Jährige. Zudem hätten auch der gute Maschinenpark und die Programmierkenntnisse überzeugt.

Seit 1. Juli dieses Jahres ist die MSK im Produktionsverbund der Kutlubulut Holding. Zwei der drei Gesellschafter sind dabei weiterhin an Bord. „Das hat nur Vorteile“, sagt Kutlubulut. „Sie kennen die Prozesse am besten – auch was die Mitarbeiterführung betrifft.“ Aktuell arbeiten sie alle daran, die verlorenen Umsätze wieder reinzuholen. Und da sei der Betrieb schon auf einem guten Weg, „weil wir Synergien geschaffen haben“, sagt Kutlubulut.

Aktuell hat MSK zehn Mitarbeiter. Doch da die Firma auf Wachstumskurs ist, werden neue Mitarbeiter gesucht. Auf 15 Beschäftigte soll die Firma anwachsen. Hat er nicht Bedenken, in einem eher schwierigen Marktumfeld wie jetzt auf Expansionskurs zu gehen? Der Unternehmer winkt ab – und lässt Zahlen für sich sprechen: Laut KfW Förderbank werden bis 2025 rund 465 000 mittelständische Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit einstellen – altersbedingt, auch weil Inhaber keinen geeigneten Nachfolger finden. Kutlubulut sieht hier seine Chance.

An den drei Standorten werden jetzt robuste Sicherheitsbauteile für die Baumaschinen- und Maschinenbauindustrie sowie Präzisionsbauteile für die Messmittel- und Hydraulikindustrie hergestellt. Das ambitionierte Ziel: einer der regionalen Marktführer in der CNC-Zerspannung zu werden.

Sein Weg bis dahin ist nicht minder spannend. Er machte eine Lehre als Kfz-Mechaniker, holte sein Fachabitur nach und studierte Maschinenbau. Kutlubulut war lange Jahre für Daimler in Deutschland und der Türkei tätig, machte einen MBA als Lean-Experte, ging später zu Putzmeister in die Türkei und sanierte zuletzt für The Coatinc Company mehrere Werke. Doch dann kam eine Zäsur. „Anfang 2020 wurde ich arbeitslos und schrieb über tausend Bewerbungen für die Position Geschäftsführer mit Beteiligung“, sagt er. Nichts klappte. „Ich schaute parallel, welche Firmen zum Verkauf standen, und sprach mit der Volksbank Pforzheim, welche Finanzierungsmöglichkeiten es gebe.“ Kutlubulut bekam die Zusage, gründete eine Holding und kaufte für 3,2 Millionen Euro die Firma K. Brandstätter. Alleine ist er nicht: Hilal Kunt, ein Privatier, ist an der MSK zur Hälfte beteiligt und ist stellvertretender Geschäftsführer bei den anderen Tochterfirmen. „Jetzt schauen wir, dass wir MSK hochfahren und als Gruppe Erfolg haben.“

Katharina Lindt

Katharina Lindt

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