760_0900_106154_Sparkassenforum_05.jpg
Aus dem Nordschwarzwald kamen (von links) die Bürgermeister Dietmar Fischer (Bad Liebenzell), Norbert Holme (Ölbronn-Dürrn), Mario Weisbrich (Wimsheim), Ortsvorsteher Gerhard Dietz (Althengstett), Carmen Schneider (Sternenfels), Birgit Förster (Niefern-Öschelbronn) sowie Gerd Owczarek und Michael Erhard (Sparkasse Pforzheim Calw) zum Kommunalforum.  Foto: Neff 

Bezahlbares Wohnen – aber wie?: Experten skizzieren klimaschonende Alternativen beim Bauen

Pforzheim. Ganz Deutschland klagt über den Mangel an bezahlbarem Wohnraum – nur ein kleines Städtchen kämpft mutig gegen die Wohnungsnot an. Auch wenn der Vergleich von Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner mit jenem gallischen Dorf von Asterix und Obelix etwas bemüht wirkte, löste das Stadtoberhaupt mit seinen Ausführungen beim Kommunalforum der Sparkassen-Finanzgruppe in Baden-Baden reichlich Respekt und Bewunderung aus.

Ganz ohne Zaubertrank gelang es Professor Würzner in Heidelberg nämlich, ein Wohnquartier von der Größe der Hamburger Hafen-City kosten- und klimaneutral zu realisieren. Dort entstand auf dem ehemaligen Areal der US-Armee die größte Passivhaus-Siedlung der Welt. Nur wenn alle kommunalen und politischen Kräfte an einem Strang ziehen, könne man die Herkulesaufgabe bewältigen und bezahlbaren Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen schaffen, sagte Würzner, der auch stellvertretender Präsident des Deutschen Städtetags ist. Heidelberg profitiere von der Zuwanderung, investiere aber auch viel in die schulische Förderung von Migranten. Die Internationalität und Weltoffenheit der Universitätsstadt ziehe zudem auch viele junge Familien an, so Würzner.

Von ähnlichen Erfolgen in der Wohnungswirtschaft berichtete die Anthropologin und Stadtforscherin Elisabeth Oberzaucher am Beispiel ihrer Heimatstadt Wien. Wohnraum müsse nach den Bedürfnissen der Menschen geschaffen werden. „Wir müssen über die Grenzen des Gebäudes selbst hinausdenken und Orte der Begegnung schaffen. Ein großes Möbelhaus durfte sich in der österreichischen Metropole nur ansiedeln, weil neben Verkaufsräumen auch ein öffentlicher Park auf dem Dach geschaffen wurde. Die alte Ideologie der Mobilität einer autogerechten Stadt sei überholt, betonte der visionäre Architekt Van Bo Le-Menztel aus Berlin. Das klassische Einfamilienhaus habe – auch im Blick auf den enormen Flächenverbrauch – ausgedient. Er befürwortet nachbarschaftliche „Tiny Houses“ – Mehrgenerationenhäuser, Shopping Malls und Kleingärten –, die platzsparend übereineinander errichtet werden.

Weniger visionär, aber nicht weniger deutlich, äußerte sich Baden-Württembergs Sparkassenpräsident Peter Schneider. Er sieht in der aktuellen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank mit Null- und Negativzinsen den Hauptgrund für die Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Die Bauindustrie laufe auf Hochtouren, trotzdem sei das Angebot immer noch viel zu gering, sagte Schneider. „Der Wohnungsmarkt ist in ein Dilemma geraten“, betonte er. Die Flucht ins „Betongold“ habe den Preisdruck stark angeheizt. Davon profitierten zwar die Eigentümer, die bei der Wertentwicklung eine Fahrstuhlfahrt nach oben erleben. Die Leidtragenden aber seien die Mieter und auch Normalverdiener, die sich trotz gesunkener Kreditzinsen kein Eigenheim mehr leisten könnten.

Wer spare, werde von der EZB bestraft. „Dabei ist das Haupthemmnis für den Eigentumserwerb mangelndes Eigenkapital“, erläuterte Schneider. Der Staat sei gefordert, mehr gegen die Wohnungsnot zu tun und einen Teil seiner Zinsersparnis durch eine höhere Wohnbauprämie an die Menschen zurückzugeben.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) kündigte ein neues Förderprogramm für Kommunen an, um den Mietwohnungsbau anzukurbeln.