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Die Deutsche Umwelthilfe wirft der Radeberger-Gruppe einen massiven Etikettenschwindel mit Bierflaschen der Marke Corona Extra vor.
Die Deutsche Umwelthilfe wirft der Radeberger-Gruppe einen massiven Etikettenschwindel mit Bierflaschen der Marke Corona Extra vor. © dpa
05.07.2012

Bierkonzern unter Pfandschummel-Verdacht - Verkaufsstopp für Corona Extra?

Jürgen Resch legt sich gern mit den Großen an. Seit Jahren kämpft der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen scheinbar unwichtige Dehnungen deutscher Pfandregeln. Aber im hart umkämpften Biermarkt können so Millionen-Vorteile erzielt werden. Nun hat die DUH Deutschlands größten Bierkonzern im Visier, die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe. Resch fordert einen vorläufigen Verkaufsstopp für das Bier Corona Extra.

Es geht um den Verdacht einer bisher einmaligen Pfand-Schummelei. Darum, ob das von der Radeberger-Gruppe vertriebene Trend-Bier aus Mexiko rechtswidrig mit nur acht statt 25 Cent Pfand belegt ist und so mehr Käufer findet. Das Unternehmen weist das zurück. Es gibt seit der Veröffentlichung der Vorwürfe am Mittwoch aber Widersprüche. Es geht um die Frage, ob Corona-Flaschen tatsächlich als Mehrwegflasche genutzt werden. Radeberger ist hier auch auf korrekte Angaben seines Partners angewiesen, der Grupo Modelo, die Corona produziert.

«Wir insistieren über alle uns zur Verfügung stehenden Kanäle», sagt ein Sprecher. Aber selbst im Internet bewirbt Radeberger die Flaschen als Einwegflaschen, die mit 25 Cent Pfand zu belegen sind. Seit Jahren sinkt der Bierkonsum in Deutschland, daher wird mit harten Bandagen gekämpft. Angeblich werden 4,5 Millionen Liter Corona jährlich in Deutschland abgesetzt. Für junge Leute ist das oft mit Zitrone getrunkene Corona ein hippes Bier - verkaufsfördernd ist das 8-Cent-Pfand mit Sicherheit, gerade an Kiosken und Tankstellen.

«Corona wird meist in 6er-Trägern für unterwegs gekauft. Sechs mal 17 Cent Preisunterschied beim Pfand machen schon rund einen Euro aus», sagt Resch. Beim Kasten betrage der Unterschied 4,08 Euro. Die DUH hat in einem anderen Pfandstreit bereits den Discounter Lidl in die Knie gezwungen. «Die Großen versuchen immer wieder auszuloten, wo die Grenzen bei dem Pfandsystem liegen, aber der aktuelle Fall ist eine besonders dreiste Verbrauchertäuschung», sagt Resch.

Doch erst einmal steht Aussage gegen Aussage. Die Grupo Modelo lässt via Madrid wissen, dass alle Flaschen aus Deutschland über Antwerpen zurück nach Guadalajara in Mexiko verschifft, dort gespült und mit Bier wiederbefüllt würden. Joaquin Ávalos von der Grupo Modelo in Guadalajara sagt hingegen, dass keine Flasche zurückkäme.

Aber das ist inzwischen schon gar nicht mehr der springende Punkt. Radeberger selbst hat folgende Sätze freimütig mitgeteilt: «Corona Extra vertritt im deutschen Biermarkt einen eindeutigen Premiumanspruch. Daher setzt der Markenhalter für Deutschland ausschließlich Neuglas ein, um einen ansprechenden Auftritt der Marke ohne Reibringe und andere Gebrauchsspuren sicherzustellen».

Um aber nur acht statt 25 Cent Pfand nehmen zu dürfen, schreibt die deutsche Verpackungsverordnung eindeutig vor, dass Flaschen mehrfach zum gleichen Zweck wiederverwendet werden. Hat Radeberger also ein Vergehen damit bereits eingestanden? Nein, das Unternehmen betont: Die Grupo Modelo habe bestätigt, dass die aus Deutschland zurückgeführten Flaschen in anderen Märkten wiederverwendet werden. Man habe dieses Mehrwegsystem mit einem Millionenbetrag aufgebaut.

Das bedeutet, nach dem Corona-Genuss in Deutschland müsste die Flasche noch mindestens zweimal in Mexiko wiederbefüllt und in anderen Ländern als Mehrwegflasche genutzt werden. Aber Radeberger kann auf Anfrage zunächst kein anderes Land nennen, wo Corona als Mehrwegflasche verkauft wird. Es wird auf die andere Zeitzone in Mexiko verwiesen, man brauche Zeit zur Klärung, sagt ein Sprecher.

Streng genommen würde es sich um eine Ordnungswidrigkeit handeln, sollte es tatsächlich einen Pfand-Schummel geben. «Aber so etwas ist schwieriger zu verfolgen, als wenn jemand falsch parkt», heißt es im Bundesumweltministerium. Ohnehin wäre zunächst das hessische Umweltministerium am Zuge, da die Radeberger-Gruppe in Frankfurt sitzt. Es ist schwer nachzuweisen, was mit den angeblich nach Mexiko zurückgebrachten Corona-Flaschen passiert. Fakt ist, dass diese sehr dünnglasig sind. «Die normalen Bierpullen sind anders, diese lassen sich 20 bis 50 Mal wiederbefüllen», sagt DUH-Anwalt Remo Klinger.

Bundesgeschäftsführer Resch ist von einem Schwindel überzeugt. Er könne ja Kosteneinsparversuche im harten Wettbewerb verstehen, aber wenn die Flaschen nach Mexiko zurückgebracht würden, sei das doppelt fragwürdig. «Einen leeren Kasten um die halbe Welt zu transportieren, ist nicht nur sündhaft teuer, sondern auch ökologisch schwachsinnig.» dpa

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