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Eckhard Cordes, Aufsichtsratsvorsitzender von Bilfinger. Foto: Anspach
Eckhard Cordes, Aufsichtsratsvorsitzender von Bilfinger. Foto: Anspach
09.05.2019

Bilfinger kämpft mit Altlasten

Mannheim. Anlegervertreter haben bei der Hauptversammlung des Industriedienstleisters Bilfinger auf eine härtere Linie beim Eintreiben von Schadenersatz von Ex-Vorständen gepocht. „Es ist nicht erträglich, dass man sich so lange um das Thema windet und nicht zu Potte kommt“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, gestern.

Durch drei Gutachten zu rechtlichen Fragen der Ansprüche aus Verstößen gegen Anti-Korruptionsregeln an zwölf ehemalige Vorstandsmitglieder, darunter Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch (CDU), habe man wertvolle Zeit verloren. Einen weichen „Mickey-Mouse-Vergleich“ lehne die DSW ab. Eine Klage zur Durchsetzung der Forderungen behalte man sich vor. Bilfinger-Aufsichtsratschef Eckhard Cordes wies die Vorwürfe einer Verschleppung zurück. Bilfinger verlangt von zwölf Ex-Vorständen Schadenersatz in Millionenhöhe. Der Aufsichtsrat hatte am Dienstag beschlossen, entsprechende Forderungen abzusenden. Welche Beträge von welchen Ex-Managern gefordert werden, wurde nicht mitgeteilt.

Der Bilfinger-Aufsichtsrat wirft den früheren Vorständen „Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit der Implementierung eines ordnungsgemäßen Compliance-Management-Systems“ vor. Ex-Vorstandschef Roland Koch weistdie Anschuldigungen als „vollkommen abwegig“ zurück. Das Unternehmen hatte deshalb auch den ehemaligen FBI-Direktor Luis Freeh als Berater in Sachen Verhaltenskodex angestellt. So konnte nach fünf Jahren die Aufsicht Ende 2018 beendet werden.

Vorstandschef Tom Blades mache einen guten Job, dies werde aber überschattet durch eine verschleppte Vergangenheitsbewältigung. Die DSW beantragte eine Sonderprüfung, bei der ein Rechtsanwalt untersuchen solle, welcher Schaden durch das zögerliche Vorgehen des Aufsichtsrates entstanden ist. Ein Antrag der DSW auf eine Sonderprüfung, bei der ein Rechtsanwalt untersuchen solle, welcher Schaden durch das zögerliche Vorgehen des Aufsichtsrates entstanden ist, scheiterte aber.

Aufsichtsratschef Eckard Cordes räumte derweil Fehler in der internen Kommunikation zur Frage eines möglichen Interessenkonflikts ein. Seine Angaben, dass sein Aufsichtsratsmandat in einer Kommunikationsfirma keinen Interessenkonflikt zu seinem Amt bei Bilfinger bedeute, seien „ungenau und irreführend“ gewesen.

Der Konflikt besteht nach Ansicht von DSW-Chef Tüngler darin, dass Cordes neben dem Bilfinger-Mandat bei einer Kommunikationsberatungsfirma im Aufsichtsrat saß, die Koch beriet.