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Oberbürgermeister Peter Boch und WSP-Direktor Oliver Reitz lassen sich von Geschäftsführer Alexander Haußersowie Böhmler-Chefin Angelika Domig die betrieblichen Abläufe erklären. Rechts Markus Epple (WSP).  Foto: Roller 

Böhmler Drehteile plant nach langer Boomphase mit leichtem Umsatzplus

Pforzheim. Gegründet im Jahr 1955 von Karl Böhmler an der Brötzinger Brunnenstraße hat sich das Pforzheimer Präzisionstechnik-Unternehmen Böhmler Drehteile in den vergangenen Jahren glänzend entwickelt – gerade wurde ein weiterer Anbau auf der Wilferdinger Höhe eingeweiht (die PZ berichtete).

Gestern informierte sich Oberbürgermeister Peter Boch mit seinen Wirtschaftsförderern über die Situation bei Böhmler. 130 Mitarbeiter fertigen dort Präzisionsdrehteile, Montage- und Kontaktdrehteile für die Elektronik- und Automobilindustrie.

„Nach langer Boomphase spüren wir aktuell eine gewisse Beruhigung“, räumt die geschäftsführende Gesellschafterin Angelika Domig, Enkelin des Firmengründers, ein. „Wir gehen jedoch davon aus, dass wir den Vorjahresumsatz erreichen oder leicht übertreffen werden.“ Allerdings gibt es dunkle Wolken am Himmel der deutschen Industrie. Der Handelsstreit zwischen USA und China trübt die Stimmung im Export und die Zukunft der deutschen Automobilindustrie ist angesichts der Entwicklung in der Elektromobilität ungewiss. Keiner weiß, wie hoch die künftigen Abrufzahlen der Autobauer ausfallen. Domig glaubt zwar an die Zukunft des Dieselmotors, doch die politischen Rahmenbedingungen sind ungewiss. „Wir sind zum Glück gut aufgestellt“, ergänzt Böhmler-Geschäftsführer Alexander Haußer. Zwar hängen insgesamt 60 Prozent des Umsatzes am Automobil, doch ein Drittel davon sind schon Komponenten für Ladesäulen und E-Autos. „Unser breites Know-how und unsere Produktionsbedingungen ermöglichen es uns flexibel auf die Wünsche der Kunden einzugehen.“ Deshalb habe sich Böhmler neben der Herstellung auch auf die Montage von Miniatur- und Sonderbauteilen spezialisiert. Von der Stadt Pforzheim erhofft sich Böhmler Unterstützung in Sachen Glasfasernetz. Auf der Wilferdinger Höhe bietet sich derzeit ein Flickenteppich verschiedenster Kommunikationstechnik-Anbieter und Übertragungstechnologien. Allein die Firma Böhmler hat drei verschiedene Partner für Internet (Skytron) und Telefonie. Auch die Parkplatzsituation für die Beschäftigten und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr seien verbesserungswürdig.

Neben dem Bau einer weiteren Produktionshalle gestaltete das Unternehmen eine großzügige Dachterrasse, um seinen Mitarbeitern auch Raum zur Erholung zu bieten. Vorgeschrieben war eine intensive Dachbegrünung. Ein eigenes Blockheizkraftwerk sorgt im Innern für die dringend benötigte Energie für die Kühlung der Drehmaschinen. Die Erweiterungsmöglichkeiten an der Reutlinger Straße sind ausgeschöpft, sagt Angelika Domig. Vorausschauend hatte sich ihr Vater Herbert Domig schon 1999 beim Umzug von der Stuttgarter Straße an den heutigen Standort gleich zwei Nachbargrundstücke gesichert, die inzwischen bebaut worden sind.