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Der Brexit ändert alles – die Börse (LSE) in London soll nicht mehr Hauptsitz der neuen Superbörse werden. Foto: Rain
Der Brexit ändert alles – die Börse (LSE) in London soll nicht mehr Hauptsitz der neuen Superbörse werden. Foto: Rain
05.07.2016

Börsenfusion zwischen DAX-Konzern und LSE auf der Kippe

Frankfurt/London. Das Nein der Briten zur EU torpediert die Pläne für einen Zusammenschluss.London als rechtlicher Hauptsitz ist kaum noch vorstellbar.

Gottgewollt und genau das Richtige für die Weltwirtschaft – geradezu pathetisch wirbt Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter seit Ende Februar öffentlich für die Fusion des Dax-Konzerns mit der London Stock Exchange (LSE). Doch das Nein der Briten zur Europäischen Union könnte den Frankfurtern auch im dritten Anlauf einen Strich durch die Rechnung machen. Der Chor der Kritiker wird nach dem Brexit-Votum lauter. Als eine der niedrigsten Hürden galt gestern die Abstimmung der LSE-Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung in London, die sich mit 99,92 Prozent für eine Fusion aussprachen.

„Es ist schwer vorstellbar, dass der wichtigste Börsenplatz im Euroraum von einem Standort außerhalb der EU gesteuert wird“, sagte der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld. „Da wird man sicher nachjustieren müssen.“ Hufelds Wort hat Gewicht, auch wenn die Bafin in dem Fall formal kein Vetorecht hat. „Ein Hauptsitz außerhalb der Eurozone war schon bisher schwer zu begründen, außerhalb der EU halte ich eine gemeinsame europäische Börse für nicht vermittelbar“, sagt Sparkassen-Verbandschef Georg Fahrenschon und spricht vielen am Finanzplatz Frankfurt aus dem Herzen.

Der Betriebsrat der Deutschen Börse opponiert ebenfalls. „Der Hauptsitz muss nach Frankfurt“, fordert die Vorsitzende des Gremiums, Jutta Stuhlfauth. Angesichts des wohl bevorstehenden EU-Austritts Großbritanniens wäre es aus Sicht der Arbeitnehmervertreter „widersinnig, wenn der Hauptsitz nach London verlegt würde“. Skeptisch zeigt sich auch die hessische Börsenaufsicht, die letztlich das Zünglein an der Waage spielen könnte. Denn sie muss über den ordnungsgemäßen Betrieb der Frankfurter Wertpapierbörse wachen. Schon früh nach dem Bekanntwerden der Fusionspläne hatte sich Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) skeptisch geäußert: Es müsse geklärt werden, „ob das Land seinen Aufsichtspflichten entsprechen kann, wenn der Sitz der Holding in Großbritannien sein soll.“ Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) erklärte vielsagend, das Brexit-Votum werde bei den Prüfungen seines Ministeriums eine Rolle spielen – „und natürlich werden wir auch abwarten, ob die Pläne in dieser Form bestehen bleiben“.

Offiziell rütteln die Konzerne bisher nicht an ihren Vereinbarungen. Doch auch bei der Deutschen Börse wächst die Einsicht, dass es im Falle eines EU-Austritts Großbritanniens politisch kaum durchsetzbar sein dürfte, London zum Kern der europäischen Superbörse zu machen. Die britische Metropole sei als rechtlicher Hauptsitz des fusionierten Konzerns nicht mehr vorstellbar, sagen Insider. Jetzt müsse sich die Politik in London bewegen und ihre Forderung zum Hauptsitz aufgeben. Andernfalls sei der Deal tot. Es sei „nun wichtiger als zuvor, die finanzwirtschaftliche Verbindung zum Vereinigten Königreich stabil zu halten“, ließ Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber nach dem Brexit-Votum erklären. London als Sitz der Holding war eine „klare politische Vorgabe der Regierung Cameron.