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Der Druck wächst: US-Ermittler knöpfen sich den Bosch-Konzern vor. Foto: Kahnert
Der Druck wächst: US-Ermittler knöpfen sich den Bosch-Konzern vor. Foto: Kahnert
01.09.2016

Bosch nun Hand in Hand mit VW?

Stuttgart. Mit ihnen will kein Vorstandschef Ärger haben: Die US-Staranwälte Elizabeth Cabraser, Steve Berman und Michael Hausfeld haben schon etliche Großkonzerne das Fürchten gelehrt – Exxon, Toyota, General Motors oder BP sind nur einige Beispiele.

Zuletzt knöpften sich ihre Kanzleien VW vor und erreichten im Abgas-Skandal den größten Vergleich der Automobilgeschichte. Jetzt wollen sie auch den Zulieferer Bosch zur Rechenschaft ziehen. „Ohne die Komplizenschaft und Verschwiegenheit von Bosch hätte Volkswagen die Betrügereien und Täuschungen nicht begehen können“, heißt es einer um neue Anschuldigungen erweiterten Klageschrift, die vor wenigen Tagen beim zuständigen Gericht in San Francisco einging. Bosch ist als angeblich entscheidender Akteur in einer „jahrzehntelangen Verschwörung“ Mitbeklagter im Mammut-Verfahren wegen Abgas-Betrugs.

Klar ist: Die Stuttgarter haben die Software geliefert, mit der VW in großem Stil bei Emissionstests getrickst hat. Nun steht der Konzern im Verdacht, selbst eine Schlüsselrolle bei dem Betrug gespielt zu haben. War das Unternehmen aktiver Mittäter oder unwissender Lieferant, dessen Software von VW eigenmächtig weiterentwickelt wurde?

Die Firmensprecher sind wortkarg bei der Frage, ob Bosch mitmanipuliert habe: Man werde sich „aufgrund der sensiblen rechtlichen Rahmenbedingungen nicht äußern“. Auch intern laufen Ermittlungen. Zumindest die Anwälte des Stuttgarter Unternehmens in den USA meldeten sich deutlich zu Wort, sie wiesen Anschuldigungen gegen bestimmte einzelne Mitarbeiter jüngst als „wild und unbegründet“ zurück.

Zwar war Bosch bereits ins Visier der Kläger geraten, kurz nachdem der Abgas-Skandal im September 2015 bekanntgeworden war. Doch jetzt wollen die Anwälte in internen Unterlagen, die VW im Rahmen der Ermittlungen offenlegen musste, jede Menge zusätzlich belastendes Material gefunden haben. Aus den Dokumenten gehe hervor, dass VW die Schummel-Software in enger Abstimmung mit Bosch entwickelt habe und es keinen Zweifel geben könne, dass der Zulieferer über den illegalen Zweck im Bilde gewesen sei. „Das war auch bei Bosch ein offenes Geheimis“, sind sich Cabraser, Berman und Co. sicher.