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Auszubildende arbeiten im Bosch-Werk in Stuttgart an einer 129 Jahre alten, pedalbetriebenen, aber neu mit Sensoren ausgestatteten Drehbank. Bosch möchte mit der Aktion deutlich machen, dass es möglich ist, nahezu alle alten Maschinen fit zu machen für Industrie 4.0. Foto: Schmidt
Auszubildende arbeiten im Bosch-Werk in Stuttgart an einer 129 Jahre alten, pedalbetriebenen, aber neu mit Sensoren ausgestatteten Drehbank. Bosch möchte mit der Aktion deutlich machen, dass es möglich ist, nahezu alle alten Maschinen fit zu machen für Industrie 4.0. Foto: Schmidt
07.10.2016

Bosch-Experten zeigen, wie Industrieanlagen ertüchtigt werden können

Wenn sich die Lebensdauer einer Maschine dem Ende neigt, bekommt die Finanzabteilung mancher Firma schlechte Laune, denn es drohen hohe Kosten für neue Anlagen. Warum also nicht die alten Kisten digital verjüngen und länger nutzen? Es war ein ganz tiefer Griff in die Vergangenheit: Um sein neues Produkt zu bewerben, hat der Technologiekonzern Bosch eine Uralt-Werkbank aus dem Jahr 1887 digital aufgerüstet.

Vier Sensoren und eine Art Minicomputer – das „Internet of Things Gateway“ (IoT) – hatten Bosch-Experten angebracht auf der seit gut einem Jahrhundert ausgemusterten Maschine, um die schier grenzenlosen Möglichkeiten der eigenen Technologie darzustellen. Zwei Azubis bedienten bei der Vorführung die Maschine. Eine junge Frau trat auf die Pedale, ein junger Mann schliff mit dem damit gewonnenen Drehmoment Messing-Teile. Das Besondere: Ihre Arbeit wurde dank Sensoren in Echtzeit auf einem Monitor analysiert. Trat die Frau zu hastig aufs Pedal, drohte ein Bohrmeißel schnell zu verschleißen. Also gab es eine digitale Warnung. Gleiches geschah, wenn die Handgriffe des Mannes bei der Werkteilformung ungeeignet waren.

„Wir befördern eine 129 Jahre alte Maschine in das Industrie-4.0-Zeitalter“, sagte Bosch-Geschäftsführer Werner Struth. Mit den ausgewerteten Daten lasse sich die Nutzung von jeder beliebigen Maschine optimieren und deren Verschleiß minimieren, sagte er. „Die Nutzungsdauer der Maschinen lässt sich durch die Aufrüstung deutlich erhöhen.“ Sind manche Maschinen in Fabriken normalerweise 15 bis 20 Jahre im Einsatz, so könnten sie dank „IoT Gateway“ „vielleicht fünf oder zehn Jahre länger“ genutzt werden. Die Bosch-Schau der Uraltmaschine war zwar eher ein Werbegag. Doch dahinter steckt natürlich deutlich mehr: Der Minicomputer, den Bosch auf der Werkbank vorstellte, ist für das Unternehmen der Einstieg in den Retrofit-Markt. Hierbei geht es um die Ertüchtigung alter Maschinen. Anstatt sie auszumustern, sollen sie durch Sensortechnik gewissermaßen verjüngt werden und länger laufen.

Retrofit sei für die ganze deutsche Industrie relevant, sagt Birgit Vogel-Heuser, Professorin für Automatisierungstechnik. „Man will das Potenzial alter Maschinen ausschöpfen, bevor man Neuanlagen kauft.“ Die Personal- und Standortkosten seien in Europa hoch, also müsse die heimische Industrie möglichst kosteneffizient wirtschaften, sagt Vogel-Heuser. „Ein deutscher Industriekonzern im Maschinen- und Anlagenbau hat keine Alternative zum Retrofit – da muss er dringend ran.“ Die Nachfrage nach Sensortechnik und Maschinenoptimierung steige. Die Professorin forscht an der Technischen Universität München daran, wie Altanlagen am besten in das Industrie-4.0-Zeitalter gehievt werden können.