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Eröffneten den Forschungscampus (von links) Michael Bolle, Geschäftsleitung bei Bosch, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen) und Bosch-Chef Volkmar Denner. DECK
Eröffneten den Forschungscampus (von links) Michael Bolle, Geschäftsleitung bei Bosch, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen) und Bosch-Chef Volkmar Denner. DECK
15.10.2015

Bosch-Konzern investiert 310 Millionen Euro in Forschungscampus

Schon beim Anblick aus weiter Ferne ist klar: Auf Altbekanntes und Routine setzt man beim neuen Bosch-Forschungscampus beileibe nicht. Das Hochhaus im Zentrum der Anlage in Renningen (Kreis Böblingen) sieht aus als seien riesige Glas-Bauklötze unpräzise aufeinandergestapelt worden.

Was für viele Beobachter architektonisches Neuland ist, soll auch für den Technologiekonzern ein Schritt auf neuem Parkett sein: Nach Darstellung von Bosch-Chef Volkmar Denner ist der Campus eine deutsche Version der US-Eliteuni Stanford: ein kreatives Miteinander von Forschern völlig unterschiedlicher Disziplinen. Zur Eröffnungsfeier der 310 Millionen Euro teuren Anlage mit 14 Gebäuden kam gestern Politikprominenz aus dem nahen Stuttgart und dem fernen Berlin: Ministerpräsident Winfried Kretschmann schwärmte von einem „Flaggschiff“ und einem „eindrucksvollen Bekenntnis für den Standort Baden-Württemberg“. „Sie sehen mich deswegen als glücklichen Ministerpräsidenten vor sich stehen.“ Als Rednerin nach ihm setzte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Kretsch-manns Lobeslied in Richtung Bosch-Führungsriege artig fort: „Was Sie hier geschaffen haben, ist gut für Baden-Württemberg, ist gut für Deutschland.“

Damit wandelt Bosch gewissermaßen auf dem Investitionspfad, auf dem auch andere Firmen aus der Region in den vergangenen Jahren Akzente gesetzt hatten: Der Sportwagenbauer Porsche hatte 2011 beispielsweise 150 Millionen Euro in die Erweiterung seines Forschungs- und Entwicklungszentrums in Weissach gesteckt. Und der Autokonzern Daimler hatte im Frühjahr 2015 angekündigt, bis Ende dieses Jahrzehnts noch einmal 600 Millionen Euro in den Entwicklungsbereich am Standort Sindelfingen zu investieren.

Bei der Bosch-Eröffnung führten Konzernlenker Denner und sein Forschungs-Ressortleiter Michael Bolle sichtlich beschwingt die beiden Politikergäste über das Gelände und präsentierten hierbei die Ergebnisse bereits vollbrachter Geistesblitze: Ein Fahrzeug fuhr dank Autopilot-Funktion quasi von selbst über einen Parkplatz und zurück, ein Agrarroboter namens Bonirob zeigte sein Poten- zial zur umweltschonenden Unkrautvernichtung und präzisen Saatgut-Analyse.

Der Bonirob ist die Entwicklung eines firmeneigenen StartUp, der Roboter könnte 2018 auf den Markt kommen. Es ist ein Paradebeispiel, wie es künftig laufen soll in Boschs Hochglanz-Forschungsschuppen: Die 1700 Wissenschaftler – ob Biologen, Chemiker, Physiker oder Ingenieure – tüfteln an eigenen, fächerübergreifenden Projekten. Statt wie bisher an drei verschiedenen Standorten im Raum Stuttgart werden die Bosch-Forschungsaktivitäten in Renningen gebündelt. Das soll die Kommunikation der Abteilungen fördern. „Wir wollen, dass die Forscher nicht nur gute Ideen haben, sondern sie sollen auch Unternehmer sein“, erklärt Bosch-Chef Denner die Kursrichtung.