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Steigende Spritpreise könnten auch den Absatz von deutschen Autos in den USA erschweren. Foto: dpa
Steigende Spritpreise könnten auch den Absatz von deutschen Autos in den USA erschweren. Foto: dpa
12.01.2018

Branche fährt mit gemischten Gefühlen zur Auto-Show in Detroit.

Billiger Sprit und günstige Finanzierungsverträge lockten Kunden in den vergangenen Jahren in Scharen in die Autohäuser, aber jetzt droht dem Boom die Puste auszugehen. Erstmals seit der Finanzkrise gingen die Verkäufe auf dem US-Markt 2017 zurück – wenngleich auf hohem Niveau. Auch einige deutsche Autobauer taten sich zuletzt schwer, so dass ein weiteres Abflauen der US-Autokonjunktur ziemlich ungelegen käme.

Bei der Motor-Show in Detroit (13. bis 28. Januar) – dem traditionellen Schaulaufen der Hersteller zum Auftakt des Autojahres – dürfte deshalb nicht an allen Ständen ausgelassene Stimmung herrschen. Denn trotz der Glitzerkulisse mit protzigen SUVs, Pick-up-Trucks und Luxusschlitten, die in der US-Industriemetropole präsentiert werden, sieht der Ausblick für die Branche eher trüb aus.

Nach einem Rekordwert von 17,55 Millionen verkauften Neuwagen im Vorjahr fiel der US-Absatz 2017 um 1,8 Prozent auf 17,23 Millionen Stück. Dem Analysehaus IHS Markit zufolge wurde damit erstmals drei Jahre in Folge die 17-Millionen-Marke geknackt. Dass dies erneut gelingen kann, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

Zwei entscheidende Faktoren sprechen 2018 für eine Abkühlung. Zum einen rechnen Ökonomen im Schnitt mit höheren Ölpreisen, die sich auch an den Tanksäulen bemerkbar machen dürften. Teureres Benzin schlägt in den USA – wo die Verkaufscharts seit Jahren von schwergewichtigen Spritschluckern angeführt werden – in der Regel schnell auf den Neuwagenabsatz durch. Zum anderen dürften steigende US-Leitzinsen Autokredite verteuern, was sich ebenfalls rasch bemerkbar machen kann, weil viele Fahrzeuge auf Pump gekauft werden.

Hoffnung machen der Branche indes die neuen Steuergesetze der Trump-Regierung. Sie reißen zwar riesige Löcher in den Staatshaushalt. Davon sollen neben Konzernen zunächst aber auch die US-Bürger profitieren. „Viele Verbraucher werden Lohnerhöhungen wegen der Steuerreform erhalten“, glaubt Mustafa Mohatarem, Chefvolkswirt von General Motors. Das werde die Autoverkäufe 2018 auf hohem Niveau halten. Mit einem Absatzplus rechnet aber auch Mohatarem nicht.

Obwohl „Made in Germany“ in den USA trotz des Dieselskandals weiter als Qualitätsprädikat gilt, hatten die großen deutschen Hersteller bei den jüngsten Verkaufserfolgen nicht gerade die Nase vorn. Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen hält das Abflauen des US-Markts für logisch. Mögliche Ursache: Ein gewisser Trump-Einfluss. Manch ein Manager könnte sich fragen: „Ist es politisch noch opportun, wenn ich mir ein deutsches Premium-Modell kaufe?“

VW sackte im Dezember auf dem US-Markt im Jahresvergleich um 18,7 Prozent auf 30 281 Fahrzeuge ab. Die Dieselkrise spiele dabei nur eine geringe Rolle, meint Diez. Der Antrieb habe in den USA weiter wenig Bedeutung.

2018 dürfte der US-Automarkt in Summe etwas zurückgehen, glaubt Diez.