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Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus bereitet sich auf einen ungeregelten Brexit vor. Foto: dpa/Reyes
Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus bereitet sich auf einen ungeregelten Brexit vor. Foto: dpa/Reyes
01.02.2019

Brexit-Chaos: Nur noch wenige Wochen – und eine geregelte Lösung ist nicht in Sicht

Frankfurt/London. Schon in knapp zwei Monaten könnte das Schreckensszenario Realität werden: Am 29. März wird Großbritannien nach bisherigen Planungen die EU verlassen – und ein Abkommen mit Brüssel für die Beziehungen danach gibt es immer noch nicht.

Ein Deal von Premierministerin Theresa May scheiterte Mitte Januar im britischen Parlament, auch diese Woche gab es bei neuen Brexit-Abstimmungen keinen Durchbruch. Grund genug für Firmen, mit dem Schlimmsten zu rechnen.

Airbus: Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern drohte mit der Schließung von Fabriken. „Wenn es einen Brexit ohne Abkommen gibt, müssen wir bei Airbus möglicherweise sehr schädliche Entscheidungen für Großbritannien treffen“, sagte Konzern-Chef Tom Enders jüngst. Es gebe auf der Welt Länder, die gerne Tragflächen für Airbus bauen würden. Im Vereinigten Königreich bündelt Airbus fast den gesamten Tragflächen-Bau – was beim Brexit heikel werden könnte.

Sony: Der japanische Elektronikkonzern verlegt seinen europäischen Hauptsitz von London nach Amsterdam. Damit könne das Unternehmen seinen Geschäftsbetrieb ohne Beeinträchtigung fortsetzen, wenn Großbritannien die Europäische Union verlasse, sagte eine Sprecherin.

Panasonic: Der Konzern teilte im August mit, den Europasitz nahe London nach Amsterdam zu verlegen – auch wegen des Brexits. Panasonic wolle so verhindern, möglicherweise von der eigenen Regierung bestraft zu werden: Sollte Großbritannien die Unternehmenssteuer drastisch senken, könnte das Land von Japan als Steueroase eingestuft werden.

P&O: Die Fährgesellschaft will ihre Flotte für den Verkehr über den Ärmelkanal unter zyprischer Flagge anmelden. Der Schritt bringe dem Unternehmen deutlich günstigere Steuerbedingungen, da die Schiffe dann unter der Flagge eines EU-Mitgliedslandes liefen, erklärte sie.

BMW: Der Autobauer hat die jährliche Wartungsperiode für seine vier Werke in Großbritannien auf die Zeit unmittelbar nach dem geplanten EU-Ausstieg gelegt. So will BMW verhindern, dass die Versorgungskette der Fabriken wegen Brexit-Turbulenzen unterbrochen wird.

Bosch: Der Autozulieferer bereitet sich systematisch auf den Brexit vor. Dabei gehe es um Zölle und Warenverfügbarkeit, aber auch um Finanzthemen, sagte Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. Allein durch Zölle erwarte man Kosten im mittleren zweistelligen Millionen-Bereich.

Deutsche Bank & Co: Deutschlands größte Bank will jetzt die Transaktionen von Großkunden, die bisher in London betreut werden, künftig über die Frankfurter Computersysteme laufen lassen. Das Geldhaus, das rund 9000 Mitarbeiter in Großbritannien beschäftigt, sei auf „alle Eventualitäten vorbereitet.“ Damit steht die Deutsche Bank nicht alleine da. Internationale Großbanken schicken außerdem Mitarbeiter aus London nach Frankfurt oder Paris.