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Die PZ-Redakteure Lothar Neff, Magnus Schlecht (von links) mit PZ-Verleger Thomas Satinsky im Gespräch mit Burkhard Thost. Foto: Ketterl
Die PZ-Redakteure Lothar Neff, Magnus Schlecht (von links) mit PZ-Verleger Thomas Satinsky im Gespräch mit Burkhard Thost. Foto: Ketterl
IHK-Präsident Burkhard Thost beim PZ-Redaktionsgespräch. Foto: Ketterl
IHK-Präsident Burkhard Thost beim PZ-Redaktionsgespräch. Foto: Ketterl
08.07.2017

Burkhard Thost scheidet aus dem Amt des IHK-Präsidenten aus

Pforzheim. Zehn Jahre leitete Burkhard Thost die Geschicke der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald als deren Präsident. Ein Ehrenamt, das viel persönliche Präsenz in der Region erfordert. Der IHK-Hauptgeschäftsführer sprach kürzlich von einer hohen zeitlichen Inanspruchnahme.

„Man muss wissen, wie viel Abwesenheit verträgt mein Unternehmen?“, sagt Thost auch im Blick auf seine mögliche Nachfolgerin, die Horber Unternehmerin Claudia Gläser. „Es ist schön, dass eine Frau aus dem Süden der Region antritt.“ Gläser ist bislang einzige Kandidatin für das Präsidentenamt. Bei einem mittelständischen Unternehmen wie der Pforzheimer Thost Projektmanagement GmbH mit 400 Ingenieuren und mehreren Geschäftsführern sei das vielleicht etwas einfacher als in einem Maschinenbaubetrieb, in dem eben vieles auf die Chefin zugeschnitten sei. Im Süden der Region gebe etliche global erfolgreiche Unternehmen wie Arburg, Fischer, Homag, Boysen und Schmalz mit Milliarden-Umsätzen. Sein Nachfolger könne sich auch auf die aktive Unterstützung durch fünf Vize-Präsidenten verlassen, betont Thost. Das sei angesichts der räumlichen Distanzen zwischen Alpirsbach und Maulbronn auch erforderlich.

„Meine Tätigkeit hat mir viel Spaß gemacht“, sagt der scheidende IHK-Präsident und lobt die guten Gestaltungsmöglichkeiten und die Unterstützung innerhalb der Kammer. Seine Amtszeit endet am kommenden Donnerstag mit dem IHK-Sommerfest im Pforzheimer CongressCentrum. An diesem Tag wird auch das neue Präsidium von der Vollversammlung gewählt.

Die Veränderungen im ländlichen Raum – weniger Bankfilialen und rückläufige Versorgungsangebote – sei eine zentrale Herausforderung für den neuen Amtsinhaber. Im engen Dialog mit den Städten und Landkreisen im Nordschwarzwald müsse der IHK-Präsident politisch aktiv werden und Impulse für die Region setzen. „Die Digitalisierung bewirkt auch im Nordschwarzwald gewaltige Veränderungen.“ Die Qualität der Aus- und Weiterbildung müsse daran gemessen werden.

Seine eigene Bilanz fällt positiv aus. Es habe in den vergangenen zehn Jahren wichtige Weichenstellungen gegeben. Er habe als IHK-Präsident versucht, die Menschen für neue Ideen zu begeistern. Die Kammer habe sich als Sprachrohr der Wirtschaft für diese eingesetzt. Der Nordschwarzwald müsse sich nicht hinter Stuttgart und Karlsruhe verstecken. Man müsse aber dynamischer und quirliger sein als die Metropolregionen. Die Unternehmen der Region hätten nach der Finanzkrise 2008/09 ihre Hausaufgaben gemacht und sich zukunftsfähig aufgestellt. Dazu zähle auch eine ausreichende Eigenkapitaldecke, betont Thost. Der Umbau der IHK stehe auch für Transparenz und den Wandel zum modernen Dienstleister. Die Kammer habe sich bei der Landesregierung für eine tragfähige Energiewende und eine sachliche Diskussion darüber eingesetzt.

Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz liegen dem international tätigen Projektplaner am Herzen. So habe auch das IHK-Zukunftsforum wichtige Impulse gegeben. Vernetzung sei wichtig, „Viele Unternehmen leben mit der Digitalisierung.“ Allerdings hätten viele auch erheblichen Beratungsbedarf. „Wer pausenlos weitersägt, weil er keine Zeit zum Säge schärfen hat, bekommt irgendwann große Probleme“, warnt Thost. Wachstum sei wie in der Natur stets auch mit dem Absterben bestimmter Strukturen verbunden.

Ein Zurück zu selbstgestrickten Socken sei keine Lösung der anstehenden Aufgaben. Aber es könne auch nicht alles von Amazon zugeschickt werden. Immer neue Dienstleistungen und Produkte entstünden. Das biete zugleich Chancen und Risiken, denn oft wisse man nicht, wer künftig von den Wettbewerbern ganz vorne liege. Dass die Goldstadt das 250-jährige Bestehen der Schmuck- und Uhrenindustrie gebührend feiert, kann Thost nachvollziehen. Aber es fehlt ihm an Nachhaltigkeit und Innovationen. Denn Pforzheim sei als Präzisionstechnik-Hochburg und IT-Standort längst auf einem guten Weg.