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Heißer Ofen: Bürgermeister Oliver Korz (von links), Friedrich Lackner (Technischer Leiter Cern), Carbolite-Gero-Geschäftsführer Roland Geiger und Projektmanagement-Leiter Timm Ohnweiler vor der Hochtemperaturanlage. Foto: Tilo Keller
Heißer Ofen: Bürgermeister Oliver Korz (von links), Friedrich Lackner (Technischer Leiter Cern), Carbolite-Gero-Geschäftsführer Roland Geiger und Projektmanagement-Leiter Timm Ohnweiler vor der Hochtemperaturanlage. Foto: Tilo Keller
19.03.2016

Carbolite Gero: Neuhausener Technik fürs Cern

Von Neuhausen in die Schweiz: Eine Hochtemperaturanlage der Firma Carbolite Gero wird demnächst im Cern, der Großforschungseinrichtung der Europäischen Organisation für Kernforschung, ihren Dienst antreten. Bei Meyrin im Kanton Genf soll sie zur Herstellung supraleitender Magnetspulen dienen, die dann im Teilchenbeschleuniger LHC zum Einsatz kommen. Neu entwickelt und produziert wurde sie in Neuhausen.

„Etwa 500 bis 700 Konzeptstunden und 2000 Arbeitsstunden stecken in der Entwicklung drin“, sagte Roland Geiger, Geschäftsführer von Carbolite Gero, gestern bei einer Pressekonferenz. Am Standort in Neuhausen hat das Unternehmen eine Produktionsfläche von 2300 Quadratmetern und beschäftigt 40 Mitarbeiter, darunter fünf Wissenschaftler und zehn Techniker und Ingenieure. Ein weiterer Standort befindet sich in Sheffield, Großbritannien. Carbolite Gero produziert Hochtemperaturanlagen im Bereich zwischen 30 Grad und 3000 Grad. Zur jahrzehntelangen Erfahrung des Unternehmens im Bereich Sondermaschinenbau gehört auch, dass bereits drei Vorgängerprojekte fürs Cern realisiert wurden. Bei der aktuellen internationalen Ausschreibung konnte man sich gegenüber zahlreichen namhaften Mitbewerbern durchsetzen.

Gero-Geschäftsführer Geiger freute sich, Friedrich Lackner vom Cern begrüßen zu können. „Unser Hauptbeschleuniger, mit dem wir die Physik untersuchen, hat einen Umfang von 27 Kilometern“, berichtete Lackner über die Forschungseinrichtung bei Genf. Um darin die Teilchen auf Lichtgeschwindigkeit zu bringen, braucht es die entsprechenden Magnete. Um die Beschleunigung noch zu erhöhen, soll das bestehende Magnetsystem umgebaut werden.

Timm Ohnweiler, Leiter des Projektmanagements bei Carbolite Gero, berichtete über die neu gebaute Hochtemperaturanlage, mit der die supraleitenden Magnete hergestellt werden sollen. Die über 30 Meter lange Anlage ist bereits betriebsbereit, so dass jetzt nur noch die letzten Tests vor der Auslieferung anstehen. „Für uns als Firma hier im Schwarzwald ist es eine große Ehre, dazu beitragen zu können, dass im Cern weiter geforscht wird“, sagte Ohnweiler. Die besondere Herausforderung der Anlage war, dass beim Glühen der supraleitenden Spulen auf der gesamten Länge eine maximale Temperaturabweichung von weniger als plus oder minus drei Grad erreicht werden muss. Dank der Erfahrung im Hause konnten die von Cern geforderten Aufgaben in relativ kurzer Zeit entwickelt werden.

„Ich bin fasziniert, was hier geleistet worden ist“, sagte Neuhausens Bürgermeister Oliver Korz anerkennend. Der Schwarzwald, so Korz weiter, sei eben nicht nur Kuckucksuhr und Schwarzwälder Schinken, sondern auch Hochtechnologie.