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H.P. Schubert
H.P. Schubert
Die Scheideanstalt Carl Schaefer öffnet von Montag an offiziell wieder die Türen – unter neuer Leitung.
Die Scheideanstalt Carl Schaefer öffnet von Montag an offiziell wieder die Türen – unter neuer Leitung.
26.01.2016

Carl Schaefer: Neuanfang mit altgedienten Mitarbeitern

Der über 150 Jahre alten Pforzheimer Scheideanstalt Carl Schaefer wird vom kommenden Montag an wieder Leben eingehaucht. Nach der Insolvenz im vergangenen Jahr mussten knapp über 60 Mitarbeiter das Traditionsunternehmen verlassen. Die Zukunftsprognose war wenig hoffnungsfroh.

Zu guter Letzt hat Insolvenzverwalter Wolfgang Bilgery mit der Blue Cap AG einen Investor gefunden, der am 1. Februar offiziell die Geschäftstätigkeit aufnimmt – mit vorerst 15 Beschäftigten, durchweg „altgediente Mitarbeiter“, wie Vertriebsleiter Timo Richardon gestern im PZ-Gespräch sagte. Die neue Firmierung: Carl Schaefer Gold- und Silberscheideanstalt GmbH.

Weiterhin wird sich das Unternehmen auf die Geschäftstätigkeiten Recycling und Halbzeug konzentrieren, erklärte Richardon. Geografisch konzentriere man sich vorerst auf den deutschen Markt. Zur Kern-Kundenzielgruppe zählen demnach Goldschmiede, Juweliere und Edelmetallhändler. Die erste Messeaktivität der neuen Firma wird die Teilnahme an der Inhorgenta Schmuckmesse in München sein.

 

Wer ist der Schaefer-Investor, die Blue Cap AG?

Sie ist nach eigenen Angaben eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in München. 2006 gegründet ist Blue Cap eine relativ junge Gesellschaft.

Wie sieht das Geschäftsmodell der AG aus?

Blue Cap investiert als Holding vornehmlich in mittelständische Nischenunternehmen. Die Investitionsidee besteht zumeist darin, diese weiter zu entwickeln und dabei die Unternehmensidentität zu bewahren. Unter anderem wird auch in Unternehmen investiert, die in Schieflage geraten sind – wie etwa die Pforzheimer Traditionsfirma Carl Schaefer.

Werden die Unternehmen nach erfolgreicher Sanierung grundsätzlich wieder abgestoßen?

Nein, macht das Unternehmen deutlich: „Im Gegensatz zu vielen fondsgestützten Beteiligungsgesellschaften ist Blue Cap nicht Exit getrieben. Die langfristige Wertentwicklung der Beteiligungsunternehmen steht im Vordergrund.“ Der Informationsdienst „investresearch.net“ urteilt auf seiner Web-Plattform über den Umgang der Münchner mit ihren Unternehmen: Die Firmen können nach erfolgter Restrukturierung verkauft werden, aber auch, wenn sie profitabel sind, könne der Cashflow (die liquiden Mittel) für weitere Zukäufe genutzt werden.

 

Wie viele Mitarbeiter erwirtschaften bei Blue Cap den Umsatz?

Mit rund 500 Beschäftigten in der Gruppe hat sich die Holding ein Umsatzziel bis 2017 von 100 Millionen Euro gesetzt. Bereits seit 2011 hat sich der Umsatz vervierfacht.

Werden die Tochterunternehmen über die finanzielle Beteiligung hinaus auch beratend unterstützt?

Ja, die Holding greift operativ ein. Geschäftsführer bei Carl Schaefer in Pforzheim ist Hannspeter Schubert, der außerdem Alleinvorstand der Blue Cap AG ist. Schubert hat umfangreiche Erfahrung in der Beratung von Unternehmen. Nach betriebswirtschaftlichem Studium und Promotion begann er seine Laufbahn bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Peat Marwick Mitchell & Co. in München und San Francisco. Anschließend war er Gesellschafter einer überregionalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit überwiegend mittelständischer Klientel. 2000 erfolgte mit der Gründung der Unternehmensberatung Schubert & Westhoff die Spezialisierung auf transaktionsbezogene Beratung. 2006 schließlich übernahm Schubert den Vorstand der Blue Cap AG.