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Eine historische Ungerer-Maschine auf dem Firmengelände im Arlinger: Neue sollen bald wieder gebaut werden.   Seibel
Eine historische Ungerer-Maschine auf dem Firmengelände im Arlinger: Neue sollen bald wieder gebaut werden. Seibel
31.05.2016

Chance auf Rettung? Zwei Investoren für Ungerer

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt: Die Chancen auf eine Rettung der Pforzheimer Maschinenfabrik Ungerer sind wieder deutlich gestiegen. Insolvenzverwalter Marc Schmidt-Thieme erläuterte gestern in einer Betriebsversammlung den verbliebenen Ungerer-Beschäftigten die Situation.

Seit Mitte Dezember versucht der Rechtsanwalt und Sanierungsexperte ein tragfähiges Fortführungskonzept zu schmieden.

Ungerer entwickelt und produziert Maschinen für die Metallbearbeitung (Richtanlagen für Automobilbleche). Aktuell seien zwei Investoren an einer Übernahme interessiert und hätten auch ein verbindliches Angebot abgegeben, bestätigte Schmidt-Thieme auf Anfrage der PZ.

Eine übertragende Sanierung bis Ende Juni werde angestrebt. Die Verhandlungen laufen. Beide Investoren seien an einer Weiterführung des Unternehmens interessiert. Ob das tatsächlich gelingen wird, sei jedoch noch offen. „Ich habe alle Kunden angeschrieben und einige Aufträge im Ersatzteilbereich erhalten.“ Um tatsächlich neu zu starten, seien jedoch Neuaufträge erforderlich.

Für den Zweigbetrieb in Leipzig mit 22 Beschäftigten gebe es leider keinerlei Perspektive, so der Insolvenzverwalter. Im Blick auf das Pforzheimer Stammhaus gebe es noch Hoffnung. Er habe deshalb weder Kündigungen noch weitere Freistellungen ausgesprochen.

Ob es Managementfehler gab, die zu der Schieflage des Traditionsunternehmens geführt haben, darüber wurde in den vergangenen Monaten bereits heftig diskutiert. Fest steht: Einige nach China gelieferte Anlagen wurden nicht bezahlt, was letztlich zum Insolvenzantrag führte. Gegenüber der PZ hatte Ungerer-Geschäftsführer und Anteilseigner Hans-Roland Wagner als Schuldige für das Desaster einerseits die mangelhafte Leistung eines Unternehmensberaters genannt. Andererseits hätten sich auch die Hausbanken nicht kooperativ gezeigt – trotz angeblich vorliegender Sicherheiten.

Nach PZ-Informationen ist Wagner jetzt mit Partnern angetreten, um als Investor im Rahmen eines Management-Buy-Out (MBO) eine Fortführung zu ermöglichen. Der zweite Interessent an einer Übernahme kommt aus Nordrhein-Westfalen und hat angeblich schon mehrere Unternehmen aus der Insolvenz heraus wieder flott bekommen, heißt es.

Beide Interessenten wollen den Neustart dem Vernehmen nach mit einem Großteil der bisherigen Beschäftigten wagen. Berücksichtigt man die bisherigen Abgänge (einige Mitarbeiter haben auch von sich aus gekündigt) müsste der Involvenzverwalter wohl nur wenige Kündigungen aussprechen und die neue Firma Ungerer könnte mit rund 80 Beschäftigten starten. Entscheiden muss darüber jetzt der Gläubigerausschuss.