nach oben
Die Übernahmepläne von Broadcom-Chef Hock Tan (links) wurden von US-Präsident Trump durchkreuzt. Foto: Vucci
Die Übernahmepläne von Broadcom-Chef Hock Tan (links) wurden von US-Präsident Trump durchkreuzt. Foto: Vucci
14.03.2018

Chipkonzern Broadcom darf Konkurrent Qualcomm wegen Sicherheitsbedenken nicht schlucken

Washington. Der bisher teuerste Übernahmeversuch in der Technologie-Industrie ist von US-Präsident Donald Trump verhindert worden. Trump untersagte das über 140 Milliarden Dollar schwere Gebot des Chipkonzerns Broadcom aus Singapur für den US-Rivalen Qualcomm. Ein solcher Deal könne der nationalen Sicherheit der USA schaden, erklärte Trump am Montag.

Qualcomm wehrt sich vehement gegen den Übernahmeversuch – und das macht den Vorstoß Trumps so ungewöhnlich: Üblicherweise griffen US-Präsidenten erst ein, wenn ein Deal stand. Widerstand aus Washington zeichnete sich bereits ab: Vor einigen Tagen leitete die Behörde zur Überwachung von Auslandsinvestitionen eine Untersuchung ein und ließ Qualcomm eine wichtige Aktionärssitzung verschieben.

Broadcom ist noch in Singapur registriert und unterhält in Kalifornien ein zweites Hauptquartier. Der Konzern verlegt derzeit den Unternehmenssitz in die USA. Trumps Anordnung ist so formuliert, dass Broadcom auch danach der Kauf von Qualcomm untersagt bliebe. Zunächst gab es keine Angaben dazu, ob Broadcom das Verbot vor Gericht anfechten könnte.

Qualcomm produziert Funkchips, die in sehr vielen Telefonen für die Verbindung sorgen, sowie auch die Haupt-Prozessoren diverser Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android. Außerdem arbeitet das Unternehmen auch im Auftrag von US-Behörden – was als Begründung für die Sorgen um nationale Sicherheit dienen kann. Broadcom hatte zuletzt zugesichert, keine sicherheitsrelevanten Teile von Qualcomm an ausländische Unternehmen zu verkaufen, und stellte eine Investition von 1,5 Milliarden Dollar in den USA in Aussicht. Das reichte nicht, um die US-Behörden umzustimmen. Laut Medienberichten sehen sie Verbindungen von Broadcom-Tochterfirmen nach China und sind besorgt darüber.

Es zeichnete sich ab, dass es bei dem Deal auch um die Mobilfunk-Zukunft mit der nächsten Datenfunk-Generation 5G gehen könnte. Qualcomm ist ein führender Entwickler von 5G. Broadcom hatte signalisiert, dass man nicht besonders an der Fortführung der 5G-Aktivitäten interessiert sei. Die Sorge in Washington ist, dass chinesische Firmen die Oberhand bekommen könnten.

Broadcom hatte für Qualcomm in der Spitze 121 Milliarden Dollar geboten, plus die Übernahme von Schulden in Höhe von 25 Milliarden Dollar. Broadcoms Umzug in die USA soll Anfang April abgeschlossen werden. Gemäß Trumps Anordnung soll die verschobene Hauptversammlung von Qualcomm, bei der Broadcom versuchen wollte, sich die Mehrheit im Verwaltungsrat geben zu lassen, in zehn Tagen nachgeholt werden.