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David Fischer, Seniorchefin Karin Rapp, Geschäftsführerin Gabriele Fischer und Historikerin Regina Fischer (von links).
David Fischer, Seniorchefin Karin Rapp, Geschäftsführerin Gabriele Fischer und Historikerin Regina Fischer (von links).
11.12.2015

Chronik beleuchtet Geschichte der Firma Robert Schütt Witwe

Pforzheim. Hans Bauer begann seine Lehre als Juwelengoldschmied im April 1963 bei der Firma Schütt. Der Pforzheimer war damals 14 Jahre alt. Er erlebte den wirtschaftlichen Aufschwung der Goldstadt hautnah mit. Seine Erinnerungen sind in der Chronik der Firma Robert Schütt Witwe festgehalten, die zum 125-jährigen Bestehen des Unternehmens erschienen ist. Die Werkstatt befand sich in dem zweistöckigen Hintergebäude im Hof des Schütt-Anwesens am Goldschmiedeschulplatz.

Bauer erinnert sich an seinen spanischen Kollegen Pedro Aleputz Dressel, ein begnadeter Schmucksteinfasser, der immer über Kopfhörer Radio Luxemburg hörte. Eines Tages sollte er einen gelben Diamanten mit dem enormen Gewicht von neun Karat fassen. „Wir Kollegen sahen fassungslos zu, wie er im Takt der Beatmusik klopfte und wir hielten den Atem an.“ Jeder Hammerschlag barg das Risiko, dass der wertvolle Stein dabei zerstört werden konnte – was ein Destaster bedeutet hätte. Doch alles ging gut – der Stein blieb heil.

Ein weiterer Kollege am Brett war Thomas Hock aus Bretten, der ein begnadeter Sänger war. Er wechselte später vom Goldschmiedebrett auf die Theaterbühne und wurde ein Star beim Musical Hair in München. Außerdem erfährt man in der Chronik, dass in der Mittagspause im Kanal neben der Firma Schütt – heute der Metzelgraben – Krebse gefangen wurden. Vier Generationen haben das Unternehmen geprägt. Da waren zunächst Firmengründer Robert Schütt, der 1890 die Edelsteinschleiferei mit seiner Frau Luise gründete. Sieben Jahre später starb er bei einer Typhus-Epidemie. Luise Schütt – eine starke Frau und gelernte Polisseuse – übernahm die Leitung der neuen Fabrik an der Wörthstraße. 1921 traten ihre Söhne Emil und Alfred Schütt ihre Nachfolge an. Auf seinen zahlreichen Auslandsreisen begründete Alfred Schütt die imposante Edelsteinsammlung.

David Fischer und seine Mutter Gabriele, die heutige Inhaberin, haben in monatelanger Arbeit historische Fotos und Werbeanzeigen der Firma Schütt sowie Erinnerungen von Zeitzeugen zusammengetragen. Im Mittelpunkt stehen Menschen und funkelnde Edelsteine. Legendär ist die Weltkarte aus bunten Edelsteinen, die noch heute die Firmenräume ziert. Gewidmet ist das Buch der langjährigen Unternehmenschefin Esther Meyer-Schütt, die 2010 starb.

Die Chronik (ISBN: 978-3-89735-930-7) ist im Buchhandel und bei der Tourist-Information erhältlich.