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Blickt auf die ersten 100 Tage als IHK-Präsidentin: Claudia Gläser, hier mit Hauptgeschäftsführer Martin Keppler und Ehemann Philipp Deisenroth (links hinten). Foto: Löffler
Blickt auf die ersten 100 Tage als IHK-Präsidentin: Claudia Gläser, hier mit Hauptgeschäftsführer Martin Keppler und Ehemann Philipp Deisenroth (links hinten). Foto: Löffler
20.10.2017

Claudia Gläser aus Horb verkörpert das globalisierte Unternehmertum

Horb/Pforzheim. Sie pendelt zwischen den Standorten Nordschwarzwald, China und den USA – demnächst kommt auch noch Mexiko hinzu. Claudia Gläser ist eine international agierende Unternehmerin. Als geschäftsführende Gesellschafterin der Gläser GmbH verantwortet sie vom Hauptsitz in Horb aus ein Unternehmen mit 70 Beschäftigten in zwei Geschäftsbereichen. Die weltreisende Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald setzt bei ihrem Amt auf Teamwork.

Standbein eins: Hydraulikproduktion. Das Unternehmen entwickelt, konstruieret und produziert Steuerblöcke für alle hydraulischen Anwendungen. Standbein zwei: Labor-Dienstleistungen für technische Sauberkeit. Gläser betreibt ein akkreditiertes, hauseigenes Labor, in dem mit modernen Analysemethoden die technische Reinheit unterschiedlichster Bauteile und ihrer Komponenten ermittelt wird.

„Ein Unternehmen führt man nicht halbtags“, machte sie einst in einem Interview deutlich, dass für ihren Job der volle Einsatz gefragt ist. Wie also will sie dann das Ehrenamt als Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald stemmen, in das sie vor rund 100 Tagen von der Vollversammlung bei einer Tagung im CongressCentrum Pforzheim (CCP) gewählt worden ist – als erste Frau seit Bestehen der IHK?

„Das ist durchaus möglich“, sagt sie beim PZ-Gespräch in ihren Firmenräumen in Horb. Zum einen wolle sie verstärkt auf moderne Kommunikationsmittel setzen. Eine Besprechung mit dem IHK-Hauptgeschäftsführer sei schließlich auch per Skype von Mexiko aus möglich. Dort trifft sie derzeit die Vorbereitungen zur Eröffnung eines weiteren Firmenstandorts. Ungeachtet der Drohungen von Präsident Donald Trump, der seine Wirtschaft mit exorbitant hohen Zöllen vor ausländischen Warenlieferungen schützen will, würden sich insbesondere Automobilzulieferer in dem Nachbarstaat der USA niederlassen, um nahe bei den amerikanischen Kunden sein zu können.

Einige Nordschwarzwälder Unternehmen hätten sich bereits dort niedergelassen, etwa die J. Schmalz GmbH (Glatten bei Freudenstadt), führend in Automatisierungstechnik – Firmenchef Kurt Schmalz gehört übrigens ebenfalls zum IHK-Präsidium. Boysen (Altensteig), Spezialist für Abgastechnologie, baue ein Werk. Und Fischer (Waldachtal) mache sich ebenfalls auf den Weg nach Mexiko.

Neben der digitalen Unterstützung will Gläser ihre Verpflichtungen als Unternehmerin, Familienfrau, Businessreisende und IHK-Präsidentin mit verstärktem Teamwork unter einen Hut bekommen. „Ich muss nicht alles selbst machen“, sagt sie mit Blick auf die anderen Präsidiumsmitglieder und auf IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler. Und tatsächlich gab’s schon die eine oder andere terminbedingte Absage der Präsidentin auf Einladungen zu Veranstaltungen.

Keppler zeigt sich unterdessen begeistert über die neue Präsidentin: „Sie verkörpert die Internationalisierung in hervorragender Weise“, sagt er. Dieser Bereich werde oftmals unterschätzt. Doch gerade in der Region Nordschwarzwald mit der vergleichsweise hohen Exportquote der hier ansässigen Firmen sei eine Vertreterin des globalisierten Unternehmertums eine perfekte Lösung, meint der Hauptgeschäftsführer.

In ihrem privaten und unternehmerischen Leben hat Claudia Gläser längst eine partnerschaftliche Regelung getroffen: Ihr Ehemann Philipp Deisenroth kann als selbstständiger Garten- und Landschaftsbauer seine Zeit so einteilen, dass er sich um die beiden Töchter im Teenageralter kümmern kann. Auch im Unternehmen unterstützt der gelernte Techniker seine Frau in vielen Bereichen.

Und welche Schwerpunkte setzt die bis 2022 gewählte Präsidentin der IHK? Aus- und Weiterbildung seien Kernthemen für die Region. In die Hochschulen müsse noch mehr Praxis einkehren – oder umgekehrt: „Mehr Praktiker ins Studium.“ Insofern begrüße sie die Planungen eines Campus Schwarzwald mit Sitz in Freudenstadt. Damit solle eine Fachkräfteschmiede für die Unternehmen der Region entstehen.

Ein großes Anliegen ist der Präsidentin die Förderung der sogenannten MINT-Berufe, insbesondere im Hinblick auf den Frauenanteil. Die Abkürzung steht für Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaft sowie Technik.

Die Verbesserung der Infrastruktur im Nordschwarzwald ist für sie ebenfalls ein brandaktuelles Thema, sei es das Straßennetz, die öffentlichen Verkehrsmittel oder die digitale Autobahn unter dem Stichwort Glasfaser-Ausbau. Nicht zuletzt sei ihr das Vernetzen der regionalen Unternehmen ein wichtiges Anliegen.