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In der Gebäudereinigung seien prekäre Arbeitsverhältnisse laut Mitteilung besonders stark verbreitet und würden insbesondere für Frauen zum Karriere- und Armutsrisiko. 

Corona-Krise bedeutet das Aus für mehr als 1000 Minijobs in Pforzheim

Pforzheim. Minijobber leiden in der Krise: Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) sind im vergangenen Jahr in Pforzheim rund 1.100 geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse weggefallen. Das entspreche einem Rückggang von rund acht Prozent innerhalb von 12 Monaten auf 12.600 Minijobs insgesamt. Die IG BAU beruft sich demnach auf neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

"Der Rückgang zeigt, dass Minijobs alles andere als krisenfest sind. In unsicheren Zeiten kürzen Firmen zuerst bei den 450-Euro-Kräften, die allerdings weder Anspruch auf das Kurzarbeiter- noch auf das Arbeitslosengeld haben", kritisiert Wolfgang Kreis, der Bezirksvorsitzende der IG BAU Nordbaden. Er fordert, Lehren aus der Pandemie zu ziehen und Betroffene besser zu schützen. Minijobs müssten ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden.

"Die Politik setzt mit den abgabenfreien Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize. Die Corona-Krise hat klargemacht, dass diese Stellen eine arbeitsmarktpolitische Sackgasse sind."

Wolfgang Kreis, Bezirksvorsitzender der IG BAU Nordbaden

In der Gebäudereinigung seien prekäre Arbeitsverhältnisse laut Mitteilung besonders stark verbreitet und würden insbesondere für Frauen zum Karriere- und Armutsrisiko. Laut Arbeitsagentur zählten die Pforzheimer Reinigungsfirmen Ende vergangenen Jahres rund 420 Beschäftigte, die einen Minijob als alleiniges Einkommen haben – das sind 31 Prozent aller Arbeitnehmer in der Branche. Die IG BAU rät Beschäftigten, die während der Pandemie ihren Minijob verloren haben oder um dessen Verlust fürchten, Hilfe bei der Gewerkschaft zu suchen.

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"Arbeitsmarktpolitische Sackgasse" 

"Die Politik setzt mit den abgabenfreien Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize. Die Corona-Krise hat klargemacht, dass diese Stellen eine arbeitsmarktpolitische Sackgasse sind. Es ist höchste Zeit, die Sozialversicherungsfreiheit für 450-Euro-Jobs abzuschaffen", so Kreis. Nur wenn für die Beschäftigten künftig Beiträge zur Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung gezahlt würden, könnten sie wirksam geschützt werden.

 Es sei zu begrüßen, dass sich auch SPD, Grüne und Linke für eine grundlegende Reform der Minijobs einsetzten. Die nächste Bundesregierung müsse das Thema dringend anpacken. Die von der Union geforderte Anhebung der Verdienstgrenze auf 550 Euro sei hingegen der falsche Weg und würde die prekäre Beschäftigung ausbauen, statt sie einzudämmen, warnt die IG BAU.

Bundesweit 870.000 Jobs betroffen

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung sind laut Mitteilung im Zuge der Corona-Pandemie bundesweit 870.000 Minijobs verloren gegangen. Die Autoren plädieren dafür, solche Stellen in die Sozialversicherungspflicht einzubeziehen und gleichzeitig niedrige Einkommen deutlich geringer zu besteuern. Damit könnten bis zum Jahr 2030 knapp 170.000 zusätzliche Teilzeit-Jobs entstehen.

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