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PZ-Interview mit DIW-Chef Fratzscher.
DIW-Chef Fratzscher über finanziellen Unterstützung für Griechenland
19.02.2014

DIW-Chef Fratzscher über finanziellen Unterstützung für Griechenland

Herr Fratzscher, ist die Finanzkrise wieder nach Europa zurückgekehrt?

Marcel Fratzscher: Auch wenn Griechenland zuletzt nicht mehr ganz so in der öffentlichen Wahrnehmung stand, so war doch immer klar, dass weitere Hilfen unumgänglich sind. Die Frage ist jetzt, ob ein neues Programm sinnvoll ist. Oder ein Schuldenschnitt oder eine Umstrukturierung – sprich eine Laufzeitverlängerung der Kredite und Zinsnachlässe – oder eine Kombination aus diesen drei Möglichkeiten. Ich denke, wir brauchen eine Kombination.

Warum?

Weil Griechenland sonst kaum über den Berg kommt. Das Land ist nach wie vor so gestellt, dass es nicht an die Kapitalmärkte zurückkehren kann, um sich Geld zu leihen. Die griechische Regierung zeigt zwar großes Selbstbewusstsein in der Öffentlichkeit, aber das ist eher Wunschdenken.

Tatsache ist, dass schon munter über ein drittes Hilfspaket diskutiert wird, während die EU-Troika noch nicht einmal das zweite komplett freigegeben hat.

Griechenland hat zwar einige Reformen umgesetzt, aber eben bei weitem nicht solche Fortschritte gemacht, wie das in Portugal oder Irland der Fall ist. Die Europäer stehen nun vor dem Problem, was tun? Griechenland fallen zu lassen, nachdem das Land bereits Hilfen im Gesamtumfang von 240 Milliarden Euro erhalten hat, ist nicht wirklich eine Option.

Was heißt das für den deutschen Steuerzahler?

Er wird mit zur Kasse gebeten. Auch bei der schon erwähnten Umstrukturierung gilt ja, dass der Wert der Gelder, die Deutschland aus Griechenland zurückbekommen wird, geringer sein wird als ursprünglich vorgesehen.

Wäre es da nicht besser, wenn Griechenland sich vom Euro verabschieden würde?

Das wäre die schlechteste Alternative, denn dann würden sich die Belastungen für die deutschen Steuerzahler vervielfachen. Mit einem Euro-Austritt wäre ein riesiger Schuldenschnitt für Griechenland unvermeidlich. Denn eine neue griechische Währung wäre nur einen Bruchteil vom Euro wert. Obendrein fiele Griechenland dann erst recht in eine tiefe Depression. Beides kann nicht im Interesse Deutschlands sein.

Deutschland kann doch kein Interesse daran haben, in ein Fass ohne Boden zu investieren.

Es mag paradox klingen, aber gerade deshalb ist ein drittes Hilfsprogramm sinnvoll. Nur so hat die EU weiter eine Kontrollfunktion gegenüber Griechenland, und kann eher sichergestellt werden, dass keine Kosten auf Deutschland zukommen. Das Geld fließt nur dann, wenn Griechenland weitere Reform-Auflagen erfüllt.