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23.03.2009

Daimler baut an der Zukunft

STUTTGART. Hand in Hand mit einem arabischen Geldgeber will Daimler-Chef Dieter Zetsche den Weg aus der dramatischen Autokrise antreten. Nun kommt es darauf an, wie sich der Konzern sonst noch strategisch ausrichtet.

Die zwei Milliarden Euro für 9,1 Prozent der Anteile an dem Premiumhersteller sind bereits aus dem Nahen Osten in die Kasse des schwäbischen Autobauers geflossen. Der Einstieg des Staatsfonds aus Abu Dhabi löst zwar längst nicht alle drängenden Probleme, die Zetsche derzeit quälen. Aber das Engagement des Golfstaates ist ein erster Lichtblick.
Daimler habe endlich einen langfristig interessierten Schlüsselinvestor gefunden und könne trotz der Autokrise intensiv in Zukunftstechnologien investieren, schwärmt Zetsche gestern in Stuttgart. Der Chef der staatlich kontrollierten Investmentgesellschaft Aabar, Khadem Al Qubaisi, versichert, Daimler könne sich auf seinen neuen Partner verlassen. „Das ist eine langfristige Investition. Wahrscheinlich so lange, wie es Abu Dhabi gibt.“Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte dem Sender NDR Info, Daimler habe einen „strategischen Investor gefunden, der ähnlich wie eine Familie Piëch oder eine andere Familie dem Unternehmen langfristig die Treue hält“.

Das frische Kapital sollte Daimler nach Ansicht des Autoexperten Willi Diez vor allem in Zukunftstechnologien stecken. „Daimler muss massiv in neue Antriebstechniken investieren“, sagte er. Dabei gehe es um die Optimierung von Verbrennungsmotoren bis hin zum Elektroauto. Zetsche kündigt denn auch an, sein Lieblingsprojekt Elektroauto weiter voranzutreiben – schon bald könnte es eine Testflotte am Golf geben.
Trotz solcher gemeinsamen Projekte mit dem neuen Partner ist für Diez eine engere Zusammenarbeit mit dem Münchener Konkurrenten BMW nicht vom Tisch. „Der Einstieg des neuen Großaktionärs hat auf solche Kooperationen keine Auswirkungen“, sagt der Fachmann. „Vor allem beim Antriebsstrang, der teuersten Komponente des Autos, lässt sich viel Geld sparen.“ Zetsche sagt, es sei denkbar, sich mit dem neuen Großaktionär bei „einem Dritten zu engagieren“, wenn es in die Strategie passe.

Der Daimler-Chef muss sich darauf einstellen, dass die selbstbewussten Scheichs künftig ein Wörtchen mitreden wollen. Er wolle monatlich oder alle drei Monate Kontakt mit der Führungsriege aufnehmen und über Projekte und Pläne sprechen, kündigt Khadem Al Qubaisi an. Ein technologischer Beitrag der Araber lässt sich am ehesten bei der Entwicklung von leichten Verbundwerkstoffen vorstellen. Die auf petrochemischer Basis hergestellten leichten Zukunftsmaterialien sollen den heute verbauten schweren Stahl nach und nach ablösen, um Sprit und später Strom zu sparen. In die Führung will sich der Aabar-Manager aber nicht einmischen. „Wir wollen ihnen nicht zeigen, wie man Autos baut.“
Die neue Macht vom Golf, die gemeinsam mit dem bisherigen Großaktionär Kuwait 16 Prozent der Anteile hält, bedeutet für Daimler Schutz vor feindlichen Übernahmen. Nach Ansicht von Diez mindert der Einstieg des Golfstaates die Gefahr, dass Hedge-Fonds als Großaktionäre einsteigen. „Daimler ist der Autohersteller, der an der Börse am stärksten unterbewertet ist“, sagt Diez. Zwischenzeitlich waren die Stuttgarter an der Börse weniger als 20 Milliarden Euro wert. Daimler wurde wegen des Schnäppchenpreises seit Monaten als Übernahme- oder Einstiegskandidat gehandelt. Gerüchte über ein Engagement beispielsweise des schwedischen Finanzinvestors Cevian Capital machten die Runde. Autoexperten brachten immer wieder Kuwait als potenziellen Investor ins Spiel. Auch das Daimler-Management heizte die Diskussion kräftig an.
Der Staatsfonds aus Abu Dhabi habe sich lange umgesehen und sich dann für Daimler entschieden, sagt Khadem Al Qubaisi. „Mir gefällt eben Mercedes.“ Offenbar so gut, dass die Araber sogar jetzt schon darüber nachdenken, ihren Anteil an Daimler in Zukunft noch auszubauen. „Im Moment sind wir mit 9,1 Prozent zufrieden.“