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Im Piemont-Saal bei Otec in Conweiler dankt Georg Wellendorff, Sektionssprecher des Pforzheimer CDU-Wirtschaftsrates, dem Referenten Jochen Hermann (Mitte) mit Präsenten, rechts Gastgeber Soran Jota, Otec-Geschäftsführer. Foto: Schenk
Im Piemont-Saal bei Otec in Conweiler dankt Georg Wellendorff, Sektionssprecher des Pforzheimer CDU-Wirtschaftsrates, dem Referenten Jochen Hermann (Mitte) mit Präsenten, rechts Gastgeber Soran Jota, Otec-Geschäftsführer. Foto: Schenk
18.05.2018

Daimler-Chefentwickler im CDU-Wirtschaftsrat: „Trend zur E-Mobilität ist unumkehrbar“

Straubenhardt. Wie könnte die Mobilität der Zukunft aussehen? Darüber haben sich die Mitglieder des CDU-Wirtschaftsrats um den Vorsitzenden Georg Wellendorff am Mittwochabend aus erster Hand informiert.

Erster Hand bedeutet hier, es referierte der Chef für Elektroantrieb der Daimler AG. Jochen Hermann erläuterte in den Räumen der Firma Otec Präzisionsfinish in Conweiler, wie Mercedes Benz die Herausforderung zu bewältigen gedenkt.

Otec-Geschäftsführer Soran Jota hatte eingangs indirekt ein Stichwort geliefert, als er verriet: „Mit der ersten großen automatischen Maschine haben wir kein Geld verdient – aber mit der zweiten.“ Dies ist bei Daimlers Aufbruch in die E-Mobilität ganz ähnlich, ließ Hermann durchblicken, ohne freilich Zahlen zu nennen. Außer: Man arbeite schon 20 Jahre daran. Daimler fahre unter dem Sammelbegriff „Case“ auf mehreren Spuren der emissionsfreien Fortbewegung entgegen. Vernetzungsdienste ähnlich dem Stadtauto (Smart), eine Taxi-App ähnlich jener von Uber oder einen Chauffeurservice biete der Konzern unter dem Stichwort Konnektivität. Ein Konzern, der sich vom Fahrzeughersteller zum Mobilitätskonzern entwickelt.

Eine Flottenoffensive werde bis 2022 eine Palette von 130 Fahrzeugen offerieren, die sich als Hybrid- oder reine Elektromodelle am Markt behaupten sollen. Denn klar sei, der „Trend zur E-Mobilität ist unumkehrbar“. Das habe man bereits rein mathematisch errechnen können.

Die Brennstoffzelle werde dabei nach 2010 bei Daimler einen erneuten, modifizierten Einsatz erleben – diesmal einen in Kombination mit einem Akku. Diese Zelle gewinnt aus Wasser- und Sauerstoff Strom und sondert als Abfallprodukt Wasser ab.

Reichweiten von 450 Kilometern seien demnächst machbar. Wer dann eine halbe Stunde (Lade-)Pause mache, könne getrost in den Urlaub fahren. Alles in allem liege im Energiespeicher „die Schlüsseltechnologie“. Warum baut Daimler dann keine eigene Produktion auf?, lautete die Frage aus dem Publikum. Dafür seien die Stückzahlen in Europa zu klein. Zudem sei unsicher, ob – ehe die Fabrikation aufgebaut sei – nicht schon eine bessere Speichertechnologie den Lithium-Ionen-Akku aufs Altenteil schiebt. Gegen das Zukaufen in Asien spreche nichts. Die Einspritzanlage für den Verbrennungsmotor kaufe Daimler schließlich auch auswärts ein – bei Bosch etwa. Würde er, Hermann, in Tesla-Aktien investieren? Selbst als Privatmann nicht, antwortet Hermann keineswegs indigniert von der kecken Frage. Auf die Technik der US-Elektroflitzer hält er ebenfalls keine großen Stücke. Aber vom Impuls, den Tesla-Gründer Elon Musk der E-Mobilität versetzt hat, sei er, Herman, durchaus angetan.

Nachhaltigkeit ein Thema

Statt Tesla-Aktien würde er – falls für Privatleute möglich – in Cobalt investieren, einem zentralen Rohstoff für Speicherzellen. Hier wie insgesamt bei der E-Mobilität sei auf Nachhaltigkeit zu achten, den „ökologischen Footprint“. Zum Beispiel auch beim Produktionsstandort: Tesla nutze einen in der Wüste – gut für die Nutzung von Solarenergie. Aber kritisch, was das Temperieren und den Transportaufwand betreffe.

Das „Henne-Ei-Problem“ sei insbesondere auch bei der Tankinfrastruktur für Fahrzeuge mit Brennstoffzelle zu lösen. Ein Konsortium dafür mit Partnern sei jedenfalls gegründet. Vernetzungsapps könnten hier buchstäblich wegweisende Lösungen zur nächsten Tankstelle aufzeigen.