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Inhaber Dirk Agena mit „Dirks Bio-Kiste“.  Anspach
Inhaber Dirk Agena mit „Dirks Bio-Kiste“. Anspach
Zucchini-Pflanze mit Blüte auf dem Biobauernhof.  Braun
Zucchini-Pflanze mit Blüte auf dem Biobauernhof. Braun
19.07.2016

Das Geschäft mit der Biokiste - Ökohändler haben sich auf ihre Kunden eingestellt

In dieser Woche sollen es Artischocken, Landgurken und Mangold sein, dazu Aprikosen. Nächste Woche Lauch, Meerrettich und Rote Beete sowie Datteln. Dann zwei Wochen keine Lieferung – und niemals Sellerie. Biokisten-Händler, die direkt an die Haustür liefern, stellen sich immer stärker auf spezielle Wünsche ihrer Kunden ein. Zwar gehören feste Abonnements wie Familien- oder Singlekisten noch zum Standard, die Zahl der individuell anpassbaren Bestellungen steigt aber nach Branchenangaben.

„Der Trend geht zunehmend zum Vollsortiment und selbst zusammengestellten Kisten am Rechner“, sagt ein Sprecher des Öko-Anbauverbands Naturland. „Der Bauer wird zunehmend parallel noch zum Händler.“ Mehr individualisierte Bestellungen bedeuten mehr Verwaltungsaufwand. Ökokisten sind nach Einschätzung von Naturland ein wachsendes Segment – wenn auch nur eine Nische im Bio-Markt. „Es kommt dem Trend einer bewussten und regionalen Ernährung entgegen und ist sehr bequem“, sagt der Sprecher.

Vom Verband Ökokiste heißt es, die Betriebe müssten sich flexibler aufstellen, um in puncto Bequemlichkeit mit den konventionellen Lebensmittelbringdiensten mithalten zu können. „Ökokiste“ ist die gemeinsame Marke von 40 zertifizierten Lieferbetrieben in Deutschland, die zusammen etwa 50 000 Kunden versorgen, Tendenz steigend. Einer der Biokisten-Händler ist Dirk Agena aus Mauer bei Heidelberg mit etwa 2200 aktiven Kunden.

„Wir haben immer noch viele Abokisten, aber auf unserer Internetseite können die Kunden die Biokiste individuell gestalten“, sagt der 54-Jährige. „Das wird definitiv mehr.“ Etwa die Hälfte der Kunden bestelle eine individualisierte Kiste, jede Woche anders wollten es rund zehn Prozent haben. Bis zu zwei Tage vorher kann die Bestellung geändert werden. „Da gilt die starre Regel: kulantes Handling.“ Der durchschnittliche Lieferwert beträgt Agena zufolge 26 Euro.

In seiner 260 Quadratmeter großen Lagerhalle stapeln sich grüne Kisten, an Packplätzen sortieren Mitarbeiter Obst und Gemüse ein. 350 bis 400 Kisten sind es pro Tag. Sieben Fahrer liefern die Ware aus, die weiteste Strecke führt ins rund 70 Kilometer entfernte rheinland-pfälzische Worms. Absolut gesehen fällt der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland laut dem Branchenverband BVLH noch kaum ins Gewicht. Die relativen Steigerungsraten seien aber durchaus beachtlich, sagt ein Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels. Als Mega-Treiber für diese Entwicklung sieht er die zunehmende Digitalisierung.