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Anton Schlecker im Jahr 1999 
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Schlecker-Prozess 2017.  Foto: dpa-Archiv 

Das Schlecker-Drama: Lebenswerk in Trümmern – Tausende verloren ihren Arbeitsplatz

Stuttgart/Ehingen. Er war der König der Branche und zugleich ein Phantom. Seinen Namen kannte jeder, nahezu an jeder Ecke hing zeitweise das Logo, weiße Schrift auf blauem Grund. Das Gesicht dazu hatte dagegen kaum jemand je gesehen – bis das Imperium am Ende war. Quasi aus dem Nichts hatte Anton Schlecker eine Drogeriekette mit gewaltigen Ausmaßen aufgebaut – und am Ende ging er höchstpersönlich damit unter. Ein Lebenswerk in Trümmern, Tausende Mitarbeiter auf der Straße, der Gründer pleite und schließlich angeklagt und verurteilt.

Verborgen hinter hohen Mauern

Am Montag wird Anton Schlecker 75 Jahre alt. Der König von einst ist er längst nicht mehr, dafür inzwischen wieder das Phantom von früher, gut verborgen hinter hohen Mauern in seinem Heimatort Ehingen am Rande der Schwäbischen Alb. Das Gefängnis blieb Anton Schlecker erspart. Zwar befanden ihn die Richter vor knapp zwei Jahren des Bankrotts für schuldig. Im Wissen um eine bevorstehende Insolvenz habe er Geld an die Seite geschafft. Anders als seine Kinder Lars und Meike, die das Landgericht Stuttgart ins Gefängnis schickte, bekam Schlecker selbst aber eine Bewährungsstrafe.

Im März 2017 hatte das Gericht begonnen, in monatelanger Kleinarbeit das Ende des Imperiums unter die Lupe zu nehmen. Bevor Schlecker von da an jeden Prozesstag auf der Anklagebank verbringen musste, war er sogar vielen seiner eigenen Leute völlig unbekannt gewesen.

Mit Anfang 30 hatte der Metzgermeister Mitte der 1970er-Jahre den Grundstein für sein Milliardenreich gelegt und die Öffentlichkeit seither konsequent gemieden. Ausnahme war 1999 nur der Prozess gegen die Männer, die gut zehn Jahre zuvor seine Kinder entführt hatten.

Auch als sein Lebenswerk Anfang 2012 am Ende war, tauchte Schlecker nicht auf. Die Pressekonferenz mit dem legendär gewordenen Satz „Es ist nichts mehr da“, gab damals Tochter Meike. Sohn Lars nahm in dieser Zeit als erstes Familienmitglied überhaupt an einer Betriebsratskonferenz teil, wie sich Betriebsrat-Vorsitzende Christel Hoffmann erinnert. Schlecker hatte seine Firma als eingetragener Kaufmann und nicht etwa als GmbH betrieben. So konnte er viele Geheimnisse um seine Geschäfte machen, haftete aber auch persönlich mit seinem Vermögen – völlig unüblich bei dieser Größenordnung der Firma.

Arndt Geiwitz hat daran keinen Zweifel. „Ich habe vor Gericht ganz klar gesagt: Herr Schlecker hat niemals mit der Insolvenz gerechnet“, sagt der Insolvenzverwalter der Drogeriekette, der bis heute der Herr über die Reste des Schlecker-Imperiums ist. Und bereichert habe sich die Familie auch nicht. Selbst Ende 2011 hätten die Mitarbeiter noch Weihnachtsgeld bekommen. Es habe, eigentlich ungewöhnlich in solchen Fällen, bei Eintritt der Insolvenz auch keine Lohnrückstände gegeben.

Harte Strafen für Kinder

Dass die Kinder noch kurz vor dem Ende Millionen aus der Firma zogen? „Eine Übersprungshandlung“, sagt Geiwitz. Die Familie zahlte das Geld später an den Verwalter zurück. Trotzdem war es der Hauptgrund dafür, dass Lars und Meike Schlecker deutlich härter bestraft wurden als ihr Vater. Eine Strafe, die Geiwitz für überzogen hält. Mit der Haft für die Kinder hingegen habe er nie gerechnet. Schleckers Lebensleistung nötigt sowohl Geiwitz als auch Hoffmann durchaus Respekt ab. „Ein tüchtiger Kaufmann war Herr Schlecker ohne Zweifel. Er hat eine Marktlücke entdeckt und mit seiner Frau ein Imperium aufgebaut“, meint die frühere Betriebsratschefin. Aber der Umgang seiner Führungskräfte mit den Mitarbeitern, den er so zugelassen habe, habe sehr zu wünschen übrig gelassen, kritisiert sie.