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VW-Chef Herbert Diess setzt auf die E-Mobilität. Foto: dpa/Gateau

Der Drängler von VW und seine Baustellen: Was VW-Konzernchef Diess ändern möchte

Berlin. Drängler und Raser sind auf der Autobahn wenig beliebt. Ganz anders in der Autoindustrie: Mit dem Ziel, Tempo zu machen, ist Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess heute vor einem Jahr angetreten – als Nachfolger des etwas glücklosen Matthias Müller.

Und Diess hat dem Autogiganten Beine gemacht. Mit Milliardeninvestitionen will er ins E-Zeitalter aufbrechen und den Rückstand in Sachen Digitalisierung aufholen.

Erfolge: Erst scheint VW die E-Mobilität zu verschlafen – doch Ende 2019 startet die Produktion der vollelektrischen ID-Modellfamilie in Zwickau. Diess habe „schnell die richtigen Dinge umgesetzt“, meint Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. „In der Summe hat er einen sehr guten Job gemacht – er ist niemand, der Konflikte scheut.“ Denn bei dem Werk in Zwickau soll es nicht bleiben, wegen der strengeren EU-Vorgaben beim CO2-Ausstoß muss Volkswagen den Anteil der E-Autos bis 2030 auf rund 40 Prozent hieven. Künftig sollen auch im Werk Emden und bei der Sparte VW Nutzfahrzeuge in Hannover E-Autos zusammengeschraubt werden. „Am stärksten“ finde er, dass Diess die Eigner-Familien Porsche und Piëch hinter sich gebracht habe, urteilt Branchenfachmann Stefan Bratzel. Kooperationen mit US-Tech-Riesen sollen den Branchenprimus bei der Digitalisierung nach vorne bringen. Das Ziel: Amazon soll die Volkswagen-Fabriken produktiver machen, mit der Hilfe von Microsoft will VW künftig Autos vernetzen. In Sachen Software-Kompetenz müsse „noch einiges nachgeliefert werden“, mahnt Bratzel.

Baustellen: Klar ist – batteriebetriebene E-Mobilität ist eine milliardenschwere Wette auf die Zukunft, angesichts der schwachen Lade-Infrastruktur weiß niemand, ob VW mit Stromern ganz nach vorne fährt. Andererseits ist die Nachfrage bei bisherigen Modellen größer als das Angebot. Der Manager setzt auf den batterieelektrischen Antrieb.

Konflikte mit dem Betriebsrat

Diess sagt selbst: ein E-Auto erfordere 30 Prozent weniger Arbeit als ein Verbrenner. „Es wird schwer, das nur mit Fluktuation und Altersteilzeit zu bewältigen“, warnt er. VW kündigt zudem an, in den nächsten fünf Jahren sollten zusätzlich 5000 bis 7000 Stellen entfallen, Routinearbeiten in der Verwaltung könnten automatisiert werden. Das birgt Konfliktpotenzial mit Betriebsratschef Bernd Osterloh: Die Sicherheit der Arbeitsplätze stehe an erster Stelle, „Experimente auf Kosten der Beschäftigten lehnen wir ab“, betont dieser jüngst. Er will eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2028.