nach oben
Reiner Müller (von links) verabschiedet sich von Hochschul-Rektor Ulrich Jautz und Oberbügermeister Peter Boch. Foto: Meyer
14.02.2019

Der Kümmerer geht von Bord: Reiner Müller als Wirtschaftsförderer verabschiedet

Pforzheim. Die Goldstadt verliert einen wichtigen Förderer: Reiner Müller ist am Mittwochabend im EMMA-Kreativzentrum in den verdienten Ruhestand verabschiedet worden. Dabei griff der Pensionär selbst zur Gitarre und sang mit seiner Band „Five Live“ den Eagels-Song „Take it easy“ („Nimms leicht“).

Leicht hatte es der scheidende Wirtschaftsförderer nicht. Über 20 Jahre lang kümmerte sich Müller (64) um die Unternehmen in der Stadt Pforzheim. Dabei galt sein Wirken stets dem Dialog zwischen Wirtschaft und Verwaltung.

Bildergalerie: Reiner Müller als Wirtschaftsförderer verabschiedet

Der Begriff Wirtschaftsförderer kam im Jahr 1998 auf seine Visitenkarte, als der Diplom-Verwaltungswirt und Betriebswirt in die Stabsstelle beim damaligen Oberbürgermeister Joachim Becker wechselte. An der Rathausspitze lösten sich in den folgenden Jahren Christel Augenstein, Gert Hager und Peter Boch ab – Reiner Müller blieb – seit 2007 im Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing (WSP).

Auf seinem Haben-Konto stehen etliche Unternehmensansiedlungen und der Aufbau und Betrieb des Pforzheimer Gründerzentrums, das er bis 2017 leitete. Über 50 Unternehmen gingen dort an den Start und schufen neue Arbeitsplätze.

Die Liste der Neuansiedlungen reicht von Amazon über mechasys, Euroavionics, Acandis und UF Automation bis hin zu Firmen wie PV-Tech und Noxon. Wichtig war Müller auch die Bestandspflege, was sich in zahlreichen Umsiedlungen im Stadtgebiet niederschlug. Davon profitierten Pforzheimer Unternehmen wie C. Jentner, Hoffmann, G. Rau, Witzenmann und die Wohnfabrik.

Doch selbstkritisch, wie Müller nunmal ist, kippt er Essig in den Kelch der Freude: Dass für das Pforzheimer Versandhaus Bader und die Firma C. Hafner – mangels verfügbarer Gewerbeflächen – kein geeigneter Platz zur Erweiterung in der Goldstadt gefunden werden konnte, bedauert Müller im Gespräch mit der PZ sehr. Auch die Ansiedlung der Autozulieferer Engel und Thyssenkrupp im Enzkreis statt auf Pforzheimer Gemarkung verbucht der Wirtschaftsförderer auf seinem Negativkonto.

„Wirtschaftsförderung kostet Geld, ist aber für den wirtschaftlichen Erfolg einer Stadt unerlässlich“, sagte Müller.

Oberbürgermeister Peter Boch würdigte den unermüdlichen Einsatz des Wirtschaftsförderers. „Wir sind dankbar für das, was Sie für die Stadt erreicht haben.“ Und WSP-Chef Oliver Reitz bezeichnete den künftigen Ruheständler als gradlinig und loyal. Er sei zuversichtlich, bald einen geeigneten Nachfolger präsentieren zu können, was im Publikum für einige Erheiterung sorgte. Denn die Lücke, die Müller hinterlässt, ist groß.

Netzwerken war sein Ding, was sich unter anderem in der Gründung der Präzisionstechnik-Initiative „Hochform“ ausdrückte. Über 60 Unternehmen sind inzwischen Mitglied und das Zentrum für Präzisionstechnik (ZPT) ist auf den Weg gebracht worden. Professor Carlo Burghardt rückte die Arbeit Müllers für das ZPT und die Initiative Hochform in den Mittelpunkt.