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Die Kanzlei von Ansgar Rempp ist von VW als unabhängiger Ermittler im Skandal um manipulierte Dieselmotoren beauftragt worden. Foto: Jones Day
Die Kanzlei von Ansgar Rempp ist von VW als unabhängiger Ermittler im Skandal um manipulierte Dieselmotoren beauftragt worden. Foto: Jones Day
20.11.2015

Der Pforzheimer Ansgar Rempp soll den VW-Skandal aufklären

Ansgar Rempp ist der Sohn des früheren Pforzheimer Notars Günther Rempp. Der Rechtsanwalt ist Teilhaber der US-Kanzlei Jones Day und soll den VW-Skandal aufklären.

Wie ein Rechtsanwalt sieht er an diesem Tag nicht aus. Es fehlt der Maßanzug und die obligatorische Krawatte. Doch Ansgar Rempp ist Anwalt, ein sehr erfolgreicher sogar. Nur mag er keine Krawatten. Als Teilhaber der US-Anwaltskanzlei Jones Day leitet er deren drei deutsche Büros in Düsseldorf, Frankfurt und München mit über 100 Rechtsanwälten. Bei einem Zwischenstopp auf der Bahnfahrt von München nach Frankfurt gibt es die Gelegenheit zu einem Interview in Stuttgart.

Treffpunkt: Das Sylter Fischlokal Gosch. Fast wäre das Gespräch mit der PZ geplatzt, weil es nämlich zwei Gosch-Restaurants in der Landeshauptstadt gibt. Rempp sitzt am Hauptbahnhof, lässt sich einen leckeren Sylter Fischsalat schmecken – und wartet auf den Wirtschaftsredakteur der PZ. Der ist zwar auch in Stuttgart – sitzt eineinhalb Kilometer entfernt im „Gosch“ am Rotebühlplatz. Also schnell zurück zum Hauptbahnhof, bevor der gefragte Jurist wieder in den Zug steigt. Ansonsten ist Rempp meist mit dem Flugzeug unterwegs. Die Wochen zuvor war er in Hongkong, Detroit und Paris. Eine normale Arbeitswoche hat meist über 80 Stunden. Fit hält er sich am Wochenende mit Joggen und auf dem Mountainbike im Sommer und Skitouren und Skilanglauf im Winter. Er lebt in München.

Rempp ist gebürtiger Pforzheimer, Jahrgang 1962, und machte sein Abitur 1982 am Hebel-Gymnasium. „Reinhard Mürle war ein Super-Geschichtslehrer“, erinnert sich der frühere Schülersprecher und aktive Juso-Funktionär. Fast hätte er wegen ihm Geschichte studiert. Mit einer Handvoll Pforzheimer Schulkameraden – die heute in Stuttgart, Berlin, Kiel und München leben – hält er noch immer Kontakt. Man trifft sich regelmäßig einmal im Jahr für drei Tage zum Wandern, dieses Jahr war der Bayerische Wald dran. In der Goldstadt besucht er gerne seine Mutter. Der Sohn des SPD-Stadtrats und Pforzheimer Notars Günther Rempp studierte Jura in New York und Heidelberg, wollte eigentlich Staatsanwalt werden. Die Referendarszeit bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft hatte es ihm angetan. „Das war spannend.“ Bei Razzien durfte er auch die Einsatzbeamten vom LKA begleiten. Mit finsteren Machenschaften hat er es auch heute als Chef einer Anwaltskanzlei mit 100 Kollegen zu tun. Spezialisiert ist Jones Day freilich auf Unternehmens-Übernahmen.

Bei einer kleinen Kanzlei in Düsseldorf begann er seine Karriere als Anwalt. „Halbtags – weil ich nebenher eigentlich noch meine Doktorarbeit schreiben wollte.“ Das hat Rempp zwar bis heute nicht geschafft – dafür ist er aber Chef der „Kanzlei des Jahres“. Gekürt wurde Jones Day von der Redaktion des Fachmagazins „Juve“, die damit den erfolgreichen Expansionskurs der vergangenen Jahre würdigte. „Aus zwei eher eigenständigen Standorten wurde eine schlagkräftige Einheit mit drei Büros.“ Unübersehbar sei der Aufstieg aber geworden, als Jones Day unter Führung von Rempp das kanadische Rohstoffunternehmen Potash bei der beabsichtigten Übernahme des Wettbewerbers K+S beriet. Einige Jahre war Rempp als Aufsichtsratsvorsitzender beim Automotive-Zulieferer Harman Becker in Ittersbach tätig.

Über seinen neuesten Großauftrag darf und will Rempp allerdings nichts sagen. Noch nicht einmal bestätigen, dass Jones Day überhaupt den Auftrag erhalten hat. „Der Aufklärer“ titelte kürzlich das Handelsblatt über seine Aufgabe bei Volkswagen.

Mindestens 30 Manager sollen an dem Betrug beteiligt gewesen sein, berichtete „Spiegel-Online“. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die interne Revision von VV befragt etliche Mitarbeiter und die vom Konzern beauftragten Anwälte von Jones Day stellen ebenfalls Nachforschungen an. Sie sprechen auch mit Mitarbeitern auf unteren Führungsebenen, um Licht in die Vorgänge um manipulierte Abgaswerte zu bringen.