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Die Lufthansa ist im Sommer bereit zum Abflug.
Die Lufthansa ist im Sommer bereit zum Abflug.
30.07.2015

Der Streik-Sommer ist abgesagt

Wenn Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne heute ihren Bericht zum zweiten Quartal 2015 vorlegt, muss sie erstmals seit langem nicht über Streikkosten reden. Der vorerst letzte Ausstand aus der Serie von bislang zwölf Pilotenstreiks hat im März stattgefunden. Und neue Arbeitskämpfe sind vorerst nicht in Sicht, so dass sich die Passagiere der größten deutschen Fluggesellschaft mindestens auf einen streikfreien Sommer einrichten können. Ausgeräumt sind die Tarifkonflikte mit den drei konkurrierenden Gewerkschaften Vereinigung Cockpit, Ufo und Verdi aber noch längst nicht.

Am weitesten sind die Flugbegleiter in den Verhandlungen unter anderem zu den Betriebs- und Übergangsrenten gekommen. Ihre Gewerkschaft Ufo hat den von Lufthansa gewünschten grundsätzlichen Wechsel weg von den bislang üblichen Garantierenten akzeptiert und feilscht aktuell mit Personalchefin Bettina Volkens über die Höhe künftiger Festzuschüsse zu den Renten. Ufo-Chef Nicoley Baublies äußerte sogar die Hoffnung, nach einem weiteren Gespräch mit dem Lufthansa-Vorstand am 6. August schon den Sack zumachen zu können, wie er jüngst sagte.

Baublies muss sich allerdings vorsehen, wenn er in den komplexen Rentenfragen als Erster abschließt. Denn nicht nur die beiden anderen Gewerkschaften, sondern vor allem die eigenen Mitglieder werden die Regelungen genau mit den anderen Berufsgruppen vergleichen. Ein Billigabschluss würde der Gewerkschaft schnell auf die Füße fallen.

Noch komplizierter ist allerdings die Frage nach der künftigen Verteilung der Arbeitsplätze im Gesamtkonzern. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat im Konflikt mit den Piloten angekündigt, in den kommenden Jahren Dutzende Maschinen der deutschen Germanwings zu einer eigens gegründeten Eurowings-Tochter nach Österreich zu verlagern. Mit jedem Jet würden auch die Arbeitsplätze dem Einfluss von Ufo und der Vereinigung Cockpit entzogen, billigere Crews könnten eingestellt werden. Wachstum werde es im Konzern nur dort geben, wo die Kosten stimmen.

Von Beginn an hat Cockpit diesen Kurs bekämpft. Obwohl sich die Piloten-Streiks offiziell gegen die geplanten Änderungen bei den Renten richteten, ging es immer um die Billigflieger-Plattform Eurowings. Spohr hat ungeachtet der Streiks immer weitere Fakten geschaffen: Lufthansa-Flugzeuge werden ausgeflaggt und zurückgeleast, Billig-Piloten für die Langstrecke angeheuert und schließlich in Österreich die Eurowings Austria gegründet.

Das Szenario hat schließlich dazu geführt, dass die neu gewählte Tarifkommission der VC in der vergangenen Woche ein neues Angebot auf den Tisch legte. Wenn der Konzern auf die Ausflaggung verzichtet, will sie im Konzern drei verschiedene Tarifniveaus akzeptieren. Es ist zumindest ein Etappensieg für die Lufthansa.