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Starb mit 87 Jahren in Berlin: Unternehmer Reinhard Hainz.
Starb mit 87 Jahren in Berlin: Unternehmer Reinhard Hainz.
06.12.2017

Der Teppich-König vom Holzbachtal ist tot

So vital wie er lebte, so vital ist er gestorben. „Meine lieben Freunde, ich habe euch zu früh verlassen, aber der liebe Gott wollte es so. Ich habe einen letzten Kampf mit meiner ganzen Kraft gegen den Krebs verloren“.

Mit diesen Zeilen – wenige Tage vor seinem Tode ohne Larmoyanz geschrieben – verabschiedete sich Reinhard Hainz, 87-jährig, von seinem Berliner Freundeskreis. Dort hatte er in den letzten drei Jahrzehnten mit seinem „Teppichland Berlin“ Erfolge gefeiert und auch gesellschaftlich Furore gemacht.

Den Menschen in Pforzheim und der Region ist Reinhard Hainz aber als der Mann in Erinnerung, der – in einer Brötzinger Milchhandlung aufgewachsen – dem beschaulichen Holzbachtal, dem einstigen Revier der Sägewerker und Holzarbeiter, seinen Stempel aufdrückte. Und es zu Beginn der 1970er-Jahre mit seinem „Teppichland Holzbachtal“ zu einer Pilgerstätte für all jene machte, die sich mit Heimtextilien, Lampen und Teppichen ein gemütliches Heim einrichten wollten. Angetrieben von seinem unternehmerischen Handeln haben die Baulichkeiten eine stetige Ausweitung erfahren. Als Marketing noch Reklame hieß, agierte Reinhard Hainz – das Verkaufstalent – bereits so virtuos in der Werbung, dass die Kunden aus dem weiten Umkreis ins beschauliche Holzbachtal strömten. Bald war sein Teppichland „Süddeutschlands großes Teppich-Fachgeschäft, ein Garant für hochwertige Attraktionen in Sachen Heimtextilien“. In seiner „Schatzkammer“ hatte der Vollblut-Unternehmer Teppich-Preziosen versammelt, die selbst anspruchsvollste Kundenwünsche befriedigen konnten. Immer wieder war Reinhard Hainz in Persien, Nepal und China unterwegs, um seine „Schatztruhe“ im Holzbachtal mit erlesenen Teppichen zu bestücken.

Es war nicht sonderlich überraschend, als der um verkäuferische Ideen nie verlegene Reinhard Hainz eine neue Herausforderung suchte. Da schien ihm Berlin gerade gut genug.

Erfolg in Charlottenburg

Bald war sein „Teppichland Berlin“ in Charlottenburg auf der Erfolgsspur und – wie die „Berliner Zeitung“ schrieb – „die erste Adresse auf der Suche nach dem richtigen Teppich“. Aber sein Teppichland war auch eine gute Adresse im gesellschaftlichen Leben der Hauptstadt. So inszenierte im stilvollen Ambiente seiner Verkaufshallen Berlins Modewelt den traditionsreichen „Fashion Treff“ und auch Chinas Botschafter erwies dem Unternehmen seine Reverenz, als er am Nationalfeiertag ins „Teppichland Berlin“ zum Empfang lud. Nach über drei Jahrzehnten musste das Haus zum Jahresbeginn geschlossen werden. Die „Berliner Zeitung“ schrieb: „Der Teppichkönig von Berlin verliert sein Reich.“

Seine Geschäftsanteile am Teppichland im Holzbachtal hatte Reinhard Hainz frühzeitig verkauft – mit den bekannten Folgen. Von seiner Krankheit gezeichnet, verstarb Reinhard Hainz am vergangenen Mittwoch in seinem repräsentativen Heim im Stadtteil Dahlem.

Positiv denkend bis zur letzten Stunde und sich seiner Situation bewusst, hat er seiner Tochter Dr. Andrea Hainz-Dickenbrok die Worte hinterlassen „Ich kann mich nicht beschweren, ich habe mein Leben gelebt.“

Reinhard Hainz kehrt dorthin zurück, von wo er einst gekommen ist: Am Freitag findet um 12.30 Uhr die Beerdigung auf dem Brötzinger Friedhof statt.