nach oben
Menschen mit Fotomasken von Vorstands-Chefs der Deutschen Bahn demonstrieren vor der Bilanz-Pressekonferenz. Kumm
Menschen mit Fotomasken von Vorstands-Chefs der Deutschen Bahn demonstrieren vor der Bilanz-Pressekonferenz. Kumm
17.03.2016

Deutsche Bahn fährt in die roten Zahlen

Hat das Management der Deutschen Bahn zu spät reagiert? „Ja, da gibt es auch nichts zu beschönigen“, sagt Vorstandschef Rüdiger Grube am Mittwoch in Berlin. Er muss erklären, warum der Konzern für 2015 einen gewaltigen Verlust von 1,31 Milliarden Euro verbucht. „Hier übernehmen wir als Vorstand auch die Verantwortung, insbesondere was den Schienengüterverkehr betrifft.“ Finanzvorstand Richard Lutz fasst die Malaise noch etwas weiter: „Unser Sorgenkind in Sachen Qualität und Wirtschaftlichkeit ist die Eisenbahn in Deutschland.“ Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass die Geschäfte im Ausland recht gut laufen.

Tatsächlich hat sich die Güterbahn, die seit Kurzem wieder DB Cargo heißt, im vorigen Jahr miserabel entwickelt. Die Verkehrsleistung ging um 4,3 Prozent zurück. Es wurden also weniger Güter auf der Schiene transportiert statt mehr, wie das der Eigentümer Bund eigentlich wünscht, damit weniger Treibhausgas Kohlendioxid in die Umwelt gepustet wird.

Es sieht auch wirtschaftlich nicht gut aus: Die Sparte rutschte beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf minus 183 Millionen Euro nach einem Plus von 46 Millionen Euro im Jahr zuvor. Der schwache Ausblick auch für die nächsten Jahre zwang Lutz dazu, nach den Bilanz-Vorschriften eine Wertberichtigung für DB Cargo vorzunehmen. Die Folge: eine Sonderabschreibung von 1,3 Milliarden Euro. Für den Konzernumbau wurden zusätzlich 400 Millionen Euro beiseite gelegt. Nach zwei Sanierungsjahren soll es von 2018 an wieder aufwärts gehen. Vorher, wahrscheinlich im Juni, wird die Bahn schmerzliche Schritte beschließen. Derzeit werden 430 Verladestationen auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft. Wie viele davon geschlossen werden, sei noch nicht klar, sagt Verkehrsvorstand Berthold Huber.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) warnt vor einem Stellenabbau. Zugleich wird für die Bahn das Geschäft mit dem Personenverkehr im Inland schwieriger. Im Regionalverkehr verliert sie bei Ausschreibungen Marktanteile an die Konkurrenz, im Fernverkehr ist sie einem Preiskampf ausgesetzt mit Fernbus, Flugzeug und Privatauto, das sich dank niedrigen Ölpreises zurzeit günstig betanken lässt.

In der Bahn-Bilanz 2015 spiegelt sich das wider: Bei Regio-Zügen und -Bussen ging die Fahrgastzahl um 1,2 Prozent auf 2,5 Milliarden zurück, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sogar um ein Fünftel. Noch bedient die Bahn etwa 80 Prozent des bundesweiten Regionalverkehrs. Aber selbst Huber hofft lediglich darauf, in den nächsten Jahren ein Niveau von 70 Prozent halten zu können.

Der Fernverkehr, der nicht einmal halb so viel Umsatz macht wie DB Regio, gewann zwar im vorigen Jahr fast drei Millionen Fahrgäste hinzu. Er verlor aber zwei Prozent Umsatz und gut 22 Prozent beim Ebit. Die Bahn will trotzdem weitermachen mit Sonderaktionen, bei denen sie 19-Euro-Tickets anbietet, um ihre Züge zu füllen.