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Braucht die Deutsche Bank tatsächlich einen Notfallplan.  Roessler
Braucht die Deutsche Bank tatsächlich einen Notfallplan. Roessler
30.09.2016

Deutsche Bank gerät ins Wanken - sind die Sorgen berechtigt?

Frankfurt/Pforzheim. Wie berechtigt sind die Sorgen um Deutschlands größtes Kreditinstitut? Kein Grund zur Panik: Pforzheimer Geldhäuser bleiben gelassen.

An den Finanzmärkten schrillen die Alarmglocken: Der Aktienkurs der Deutschen Bank stürzt ab, Versicherungen gegen Zahlungsausfälle des Geldhauses sind so gefragt wie nie – und nun gibt es auch noch Meldungen, wonach erste Hedgefonds ihr Geld bei der größten europäischen Investmentbank abziehen. Manche Anleger sehen bereits Parallelen zum Niedergang der Wall-Street-Bank Lehman Brothers, deren Zusammenbruch im Herbst 2008 das globale Finanzsystem ins Wanken brachte. Wie schlimm steht es wirklich um die Deutschen Bank?

Droht eine neue Finanzkrise?

„Wir gehen nicht davon aus, dass es durch die Entwicklung der Deutschen Bank zu einer Finanzkrise kommt“, betont Stephan Scholl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Pforzheim Calw. Die gesamte Kreditwirtschaft, sowohl die Aufsicht wie auch die Kreditinstitute, hätten ihre Lehren aus der vergangenen Finanzkrise gezogen und entsprechende Vorsorge getroffen. Das sieht man auch bei der Volksbank Pforzheim so: Die aktuelle Situation zeige, wie wichtig das dreiteilige Bankensystem aus Genossenschaftsbanken, Sparkassen und Privatbanken für Deutschland ist. „Die derzeitigen Probleme sind nach unserer Auffassung allerdings hausgemacht und können nur von der Deutschen Bank selbst gelöst werden“, heißt es aus dem Volksbank-Vorstand. „Wir verfolgen die aktuelle Diskussion mit Sorge und Bedauern, weil Deutschland als Exportnation auch starke, international vernetzte Bankinstitute braucht“, betont Vorstandsmitglied René Baum.

Was wären die möglichen Auswirkungen auf den Mittelstand?

„Für die Volksbank Pforzheim und unsere Kunden sehen wir momentan keine direkten Auswirkungen“, erläutert der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Fritz Schäfer. Im Gegenteil: „Wir stellen fest, dass immer mehr Kunden das genossenschaftliche Geschäftsmodell mit seiner Kundennähe, Nachhaltigkeit und Solidität zu schätzen wissen.“ Selbstbewusst zeigt sich auch die Sparkasse Pforzheim Calw. „Wir sind Hauptkreditgeber der regionalen mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetriebe“, erläutert Sparkassen-Chef Scholl. „Die Deutsche Bank spielt in diesem Geschäftsfeld eine eher untergeordnete Rolle. Deshalb sind hier unseres Erachtens nur geringfügige Auswirkungen zu erwarten.“

Was ist das eigentliche Problem der Banken?

„Die Ertragskraft der deutschen Banken ist gering, und die Niedrigzinsen reduzieren die Gewinne der Banken zusätzlich. Wenn diese Situation anhält, steigen die Risiken einer Krise“, warnt der Präsident des Ifo-Instuts, Clemens Fuest. Und in der Tat wetten finanzstarke Investoren auf fallende Kurse bei der Deutschen Bank - und verstärken so noch den Abwärtstrend. Schon im Sommer machte der millardenschwere Starinvestor George Soros als einer dieser sogenannten „Short Seller“ von sich reden. Rückendeckung bekommt die Deutsche Bank indes von Analysten anderer Geldhäuser, die den Einbruch des Aktienkurses für übertrieben halten. Um aus dem Teufelskreis auszubrechen, brauche die Bank jedoch dringend gute Nachrichten, meint Goldman-Sachs-Experte Jernej Omahen. Vor allem eine Beilegung der Rechtsstreitigkeiten wäre immens wichtig.

Könnte der deutsche Staat einspringen?

Zur Rettung eines kriselnden Instituts werden nach den neuen europäischen Regeln zuerst Eigentümer und Gläubiger und dann auch Kunden zur Kasse gebeten. Erst im äußersten Notfall kann der Staat einspringen, um einen neuen Flächenbrand im Finanzsystem zu verhindern. Bislang versichern aber alle Beteiligten, dass es im Fall der Deutschen Bank dafür keinen Bedarf gibt.

Warum steht die US-Konkurrenz so viel besser da?

Viele Experten sehen das konsequente Vorgehen der US-Behörden nach der jüngsten Finanzkrise 2007/2008 als Hauptgrund: Die USA ließen Hunderte Banken pleitegehen, etlichen Großbanken wurde verordnet, ihre Kapitalpuffer aufzubessern. Juristische Streitfälle wurden jenseits des Atlantiks rasch aufgearbeitet, während sich hierzulande die Deutsche Bank noch immer mit teuren Altlasten aus Zeiten vor der Finanzkrise herumschlägt.