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Die Deutsche Bank gleicht einer Baustelle.  Foto:Rössler 

Deutsche Bank plant gewaltigen Stellenabbau – Pforzheim wohl nicht betroffen

London/Frankfurt/Pforzheim. Die Rede ist von einer „Zeitenwende“, dem radikalsten Umbau seit Jahrzehnten“ und der „Wiederbelegung unserer traditionellen Werte“, Christian Sewing legt die Axt ans Investmentbanking wie keiner seiner Vorgänger bei der Deutschen Bank.

Zu groß, zu teuer, zu riskant. Auch in Pforzheim wird die Umstrukturierung mit Sorge verfolgt. Ob die 13 Mitarbeiter der Deutsche Bank-Filiale am Leopoldplatz von den Kürzungen betroffen sind, sei derzeit noch zu früh zu sagen, hieß es auf PZ-Anfrage. Es sei aber wohl eher unwahrscheinlich.

Der radikale Umbauplan, den die Deutsche Bank am Sonntag nach fünf Monaten Vorbereitung vorgelegt hat, ist auch eine Abrechnung mit der Vergangenheit. So steigt die Bank komplett aus dem Aktienhandel aus. Besonders getroffen werden davon voraussichtlich die Standorte in New York und London – auch wenn die Bank dort weiterhin stark präsent sein will. Im deutschen Privatkundengeschäft, zu dem auch die Postbank gehört, sieht Sewing ebenfalls weiteren Anpassungsbedarf. Und was will er: Eine Abrechnung mit seinen Vorgängern an der Spitze des größten deutschen Geldhauses, die das Abenteuer an der Wall Street suchten? Eine Abrechnung mit Vorständen, denen die Gesamtbank herzlich egal war – Hauptsache, der eigene Geschäftsbereich stand gut da. Eine Abrechnung mit Investmentbankern, die mit riskanten Geschäften vor allem ihren eigenen Bonus zu steigern versuchten.

„Wir haben versucht, überall mitzumischen – und zwar gleichzeitig. Und das hat uns überfordert“, urteilt Sewing. „Wir haben versucht, Gewinne mitzunehmen, das war aber nicht strategisch getrieben.“ Mit Blick auf das Investmentbanking betont Sewing: „Die Tage der spektakulären Ambitionen in diesem Bereich liegen hinter uns.“ Es gehe nicht mehr um „kurzfristige Gewinne, die langfristig eine Belastung sein können“. Sewing will das Kapitalmarktgeschäft nicht nur entrümpeln und zum Beispiel den weltweiten Aktienhandel ganz aufgeben. Er fordert eine neue Haltung: „In den letzten beiden Jahrzehnten ist uns unserer innerer Kompass abhandengekommen.“

Zinsmanipulation (Libor), fragwürdige Hypothekengeschäfte, Geldwäscheverdacht – wo immer in den vergangenen Jahren ein Skandal hochkochte: Die Deutsche Bank war beteiligt. Die Milliardengewinne aus dem Investmentbanking aus Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008 entpuppten sich als unkalkulierbarer Sprengstoff.

Immer klarer wurde: Das Haus war mitnichten „besenrein“, wie Josef Ackermann es zu seinem Abschied nach einer Dekade als Deutsche-Bank-Chef im Frühjahr 2012 versprochen hatte. Erst 2015 analysierte Sewings Vorgänger John Cryan schonungslos, wie schlecht es um die Deutsche Bank tatsächlich bestellt ist: Alles müsse auf den Prüfstand. „Den Status quo beizubehalten, ist keine Option“, betonte der Brite.

Cryan schrieb zig Milliarden auf einst hochgepriesene Zukäufe wie Postbank und Bankers Trust ab und mutete dem Institut damit das höchste Minus in einem Quartal in der Firmengeschichte zu: rund 6,2 Milliarden Euro.

Noch Ende April, nach der Absage einer Fusion mit der Commerzbank, lehnte der Aufsichtsrat einen Strategiewechsel in der Investmentsparte ab.

Katharina Lindt

Katharina Lindt

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