nach oben
Alle Hände voll zu tun hat dieser Mitarbeiter bei der Endkontrolle in der Henkell & Co. Sektkellerei mit Stammsitz in Wiesbaden, die 1832 gegründet wurde. Foto: Arnold
Alle Hände voll zu tun hat dieser Mitarbeiter bei der Endkontrolle in der Henkell & Co. Sektkellerei mit Stammsitz in Wiesbaden, die 1832 gegründet wurde. Foto: Arnold
Na denn Prost! Foto: Rumpenhorst
Na denn Prost! Foto: Rumpenhorst
30.12.2016

Deutsche greifen für besondere Anlässe zu teurem Schaumwein

Halle/Mainz. Unzählige Menschen stehen jetzt vor dem Sekt-Regal im Supermarkt und grübeln, welche Flasche sie mitnehmen sollen. In diesem Jahr wählen sie häufiger teurere Sekte, Champagner, Proseccos, Crémants und Cavas. „Wir beobachten einen ganz ausgeprägten Trend hin zu den Premiumprodukten“, sagt Ralf Peter Müller, Geschäftsführer des Deutschen Sektverbands. Müller führt das auf die relativ gute Konjunktur zurück.

Andreas Brokemper, Sprecher der Geschäftsführung von Henkell & Co, hat eine andere Erklärung: Die Zinsen sind sehr niedrig. „Wenn Sparen nicht so viel Sinn macht, wollen die Menschen ihr Geld für Genuss ausgeben.“ Außerdem sehe er gerade bei der jüngeren Generation einen Trend hin zu bewussterem Konsum. Da werde eine Tasse Kaffee genauso zelebriert wie ein Craft Beer oder eben ein Glas Sekt.

Henkell verkauft in Deutschland mehr als die Hälfte aller Premium-Sekte mit einem Preis von mehr als sechs Euro. Um 5,6 Prozent stieg im vergangenen Jahr der Umsatz mit Premium-Schaumweinen der Henkell-Gruppe mit Sitz in Wiesbaden, also für die Flaschen von Fürst von Metternich, Menger-Krug, Mionetto und Alfred Gratien. In diesem Jahr wird ähnliches erwartet.

Der Marktführer im deutschen Sektmarkt, Rotkäppchen-Mumm, reagiert auf den Trend mit einem Ausbau der Flaschengärung. Bislang verkaufte Rotkäppchen-Mumm eine Million Flaschen vom Sekt aus dem aufwendigeren Verfahren– jetzt sind es drei Millionen. „Wir bieten die Flaschengärung inzwischen in drei Sorten an“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH, Christof Queisser.

Dabei setzt das Unternehmen auf sortenreine Weine: Die Sekte gibt es als Weißburgunder Extra Trocken, Riesling Trocken und Chardonnay Extra Trocken. Gerade investiert Rotkäppchen-Mumm rund 6,5 Millionen Euro am Hauptsitz im sachsen-anhaltinischen Freyburg in ein neues Glaslager und einen Reifekeller, um die Kapazitäten für die Flaschengärung auszubauen.

Dabei ist es keineswegs so, dass die Menschen in Deutschland mehr Schaumwein trinken. Im Gegenteil: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes geht der Konsum seit Jahren zurück. Im Jahr 2015 waren es 301 Millionen Liter. Das reicht noch für den Rekord pro Kopf: In keinem anderen Land der Welt wird mehr des prickelnden Getränks ausgeschenkt.

Der Champagner, der stets aus der französischen Provinz gleichen Namens importiert wird, kann nicht vom Trend profitieren. Seit vielen Jahren stagniert die Zahl der verkauften Flaschen bei rund zwölf Millionen, das sind drei Prozent des Schaumweins in Deutschland. Wahrscheinlich, vermutet ein Sprecher des Bureau du Champagne, hänge das mit dem Wunsch vieler Menschen zusammen, regionale Produkte trinken zu wollen. „Die Menschen sind auch stolz auf den deutschen Wein und seinen Erfolg“, sagt Christian Josephi.

Während der Champagner eher opulent schmecken soll, seien Winzersekte fruchtig. Und sie kosteten mit zehn bis 15 Euro meist viel weniger. „Der Winzersekt ist eines der am meisten unterschätzen Produkte“, meint Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Mittlerweile biete jedes renommierte Weingut auch einen Sekt an, sagt Büscher. Dabei dürften die Trauben nur aus eigenen Weinbergen stammen. „Wir haben eine wahnsinnige Bandbreite an Qualitätsaromen, die sich keinesfalls hinter Champagnern verstecken müssen.“