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Konkurrenz für Paypal: Die Banken kommen mit dem eigenen Bezahlsystem Paydirekt auf den Markt.  Schulze
Konkurrenz für Paypal: Die Banken kommen mit dem eigenen Bezahlsystem Paydirekt auf den Markt. Schulze
01.12.2015

Deutschlands Banken bieten jetzt mit Paydirekt eigenes System an

Frankfurt. Lange haben Deutschlands Banken zugeschaut, wie die Konkurrenz den Markt für Online-Bezahlungen unter sich aufteilt. Zu lange? Immerhin: Dreieinhalb Jahre nach ersten Vorarbeiten rollt das Paypal-Konkurrenz-Angebot der deutschen Banken jetzt Herbst langsam an.

Für den großen Aufschlag im umsatzstarken Weihnachtsgeschäft allerdings kommt Paydirekt, wie das Gemeinschaftsprojekt der deutschen Kreditwirtschaft heißt, zu spät. „Wir sind gerade dabei die Banken an Bord zu bekommen“, schilderte Paydirekt-Geschäftsführer Niklas Bartelt Mitte November bei einer Konferenz. Rund 700 Institute seien inzwischen angeschlossen. Die ersten Nutzer waren Kunden der HypoVereinsbank (HVB): Am 17. August um 10.46 Uhr wurde beim Online-Händler D-Living eine Dartscheibe via Paydirekt bezahlt – ein Treffer ins Schwarze für die etwa 80 Mitarbeiter in der Startup-Atmosphäre der Frankfurter Paydirekt-Räume. Ein bescheidener Anfang – denn Millionen Kunden sollen einmal mit Paydirekt schnell, einfach und sicher bei Online-Händlern bezahlen.

Nach einmaliger Registrierung können sie beim Einkaufen im Internet in der Regel per Eingabe von Benutzername und Passwort bezahlen. Die fälligen Beträge werden vom hinterlegten Girokonto abgebucht – die Daten bleiben somit bei der Hausbank und auf Servern in Deutschland. Paydirekt-Geschäftsführer Bartelt spricht von 50 Millionen onlinefähigen Konten, die angebunden werden könnten. Mitte November hatte Paydirekt 40 000 Nutzer, fünf Händler boten das neue Verfahren als Bezahlweg an.

Konkurrent Paypal ist seit 2004 in Deutschland aktiv und hat nach jüngsten Angaben hierzulande 16 Millionen Kunden. Mehr als 50 000 deutsche Online-Händler bieten Paypal nach Angaben des US-Unternehmens als Zahlungsmethode an, darunter knapp 900 der 1000 größten Online-Shops in Deutschland. Paypal-Deutschlandchef Arnulf Keese verweist auf Studien, wonach Kunden Online-Einkäufe am liebsten per Rechnung begleichen, auf den Plätzen folgten Paypal, Lastschrift und Kreditkarte. „Das ist eine Präferenz, gegen die sich alle Marktteilnehmer behaupten müssen“, erklärt Keese.

„Der Markt hätte kein zweites Internetbezahlverfahren gebraucht“, findet Hans-Martin Kraus von der Unternehmensberatung Capco. „Aber die Banken brauchten es, um eine Flanke zu schützen und um neue Zukunftspotenziale aufzubauen.“ Es gehe letztlich um Kundenbindung. Christian Bruck, Partner bei BearingPoint, sieht es ähnlich: „Aus meiner Sicht ist Paydirekt eine strategische Investition der Banken als Antwort auf diverse andere Anbieter.“ „Wir hatten das vielleicht lange nicht richtig auf dem Radar, haben es auch nicht richtig ernst genommen“, räumt DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch ein. Bei einer Branchentagung bremste Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon: „Wir legen allergrößten Wert auf Sicherheit und Qualität.“