nach oben
Vor Bahnchef Rüdiger Grube liegt viel Arbeit: Milliardeninvestitionen sollen das  Unternehmen in eine moderne Zukunft führen.
Vor Bahnchef Rüdiger Grube liegt viel Arbeit: Milliardeninvestitionen sollen das Unternehmen in eine moderne Zukunft führen.
03.12.2015

Die Baustellen der Bahn: Großkonzern fährt dickes Minus dieses Jahr ein

Berlin. Die Deutsche Bahn rutscht nach zwölf profitablen Jahren wieder tief in die roten Zahlen. Kosten für den Konzernumbau, Probleme der Gütersparte, Streiks und Unwetterschäden drücken den Bundeskonzern in diesem Jahr mit gut einer Milliarde Euro ins Minus, wie gestern aus Aufsichtsratskreisen verlautete.

Medien berichteten von einem Verlust von knapp 1,3 Milliarden Euro. Unterdessen nimmt der tiefgreifendste Umbau des Konzerns seit mehr als zwei Jahrzehnten Formen an. „Der Vorstand wird dem Aufsichtsrat am 16. Dezember ein mehrjähriges Programm für mehr Qualität, mehr Kunden und mehr Erfolg vorlegen“, sagte ein Sprecher gestern. Er nannte jedoch keine Details und äußerte sich auch nicht zu den erwarteten Geschäftszahlen. 20 Milliarden Euro will Konzernchef Rüdiger Grube in den nächsten fünf Jahren investieren, jeden vierten Euro davon in den Fernverkehr, wie Medien übereinstimmend berichten. Demnach geht es um folgende Ziele:

Pünktlichkeit: Jeder vierte Fernzug fährt heute mindestens sechs Minuten zu spät in den Bahnhof und ist damit nach Konzerndefinition verspätet. 2016 soll die Quote der pünktlichen Züge von 74 auf 80 Prozent steigen, langfristig auf 85 Prozent. 30 000 von 70 000 Weichen sollen Sensoren erhalten, die vor Störungen warnen – denn diese sind oft für Verspätungen verantwortlich. Störungen sind häufig auch die Ursache, wenn Züge in umgekehrter Wagenreihung ankommen – wenn sie umgeleitet werden und aus anderer Richtung in die Bahnhöfe kommen.

Verschwindende Züge: Jeder Kunde kennt das: Kommt sein Zug zu spät und ein anderer fährt vorher auf dem Gleis ein, verschwindet der eigene Zug von der Anzeigetafel. Gibt es dann einen Gleiswechsel und Bremslärm übertönt die Durchsage, wartet man vielleicht sogar vergeblich. Lösung: Die Tafeln sollen die nächsten drei Züge anzeigen. 10 000 Anzeigetafeln sollen dafür im nächsten Jahr umprogrammiert werden.

Gesperrte Toiletten: Auch das gibt es immer wieder: Das Wasser geht aus, Bordtoiletten müssen gesperrt werden. Hier soll die Instandhaltung besser werden. Ein mobiler Service soll dafür sorgen, dass die Zugflotte immer zu 100 Prozent intakt ist.

Service im Zug: Die Zugbegleiter sollen sich wieder mehr um die Kunden kümmern. Zusatzaufgaben, wie Fahrgäste zu zählen, fallen weg. Dafür gibt es Überlegungen für eine Art Am-Platz-Service in der zweiten Klasse. So etwas gibt es bisher nur in der ersten, wo etwa Speisen und Getränke gebracht werden. Grube hofft auf „Leistung, die begeistert“.

WLAN: Seit einem Jahr ist der drahtlose Internetzugang in der ersten Klasse des ICE inklusive, die zweite Klasse soll möglichst noch nächstes Jahr folgen. Bis zum Sommer dauert es aber mindestens noch, bis die Technik in den Zügen ist.

Preissystem: Vielen Kunden halten es für schwer zu durchschauen, gar willkürlich, wie jetzt eine Umfrage ergab. Nur noch jeder zehnte Reisende zahlt nach Bahnangaben den Normalpreis ohne Rabatt. Der neue Personenverkehrschef Berthold Huber geht verstärkt mit 19-Euro-Tickets ins Rennen und macht die Bahn damit billiger gegenüber der Konkurrenz auf der Straße und in der Luft. Eine „Riesen-Preisreform“ hat er jedoch ausgeschlossen. In der Konzernzentrale erinnert man sich an das Jahr 2002, als man ein neues Preissystem nach einem halben Jahr zurücknehmen musste.