nach oben
Betrachten die digitale Bildwand bei der Volksbank Pforzheim (von links): René Baum, Stefan Lindermeir und Sebastian Engemann sowie Referent Professor Klemens Skibicki.
Betrachten die digitale Bildwand bei der Volksbank Pforzheim (von links): René Baum, Stefan Lindermeir und Sebastian Engemann sowie Referent Professor Klemens Skibicki.
08.10.2015

„Die Fabrik kommt ins Internet“

Menschen stehen vor einem großen Bildschirm, der anzeigt, wie gut oder schlecht sie momentan drauf sind. Die Daten kommen von einer Fraunhofer-Gesichtserkennungsmaschine. Sie erkennt nahezu in Echtzeit das Geschlecht, das Alter, die Mimik sowie die Gesichtszüge und macht sich digital ihren Reim daraus: verärgert, glücklich, weiblich, männlich und so weiter.

Gleich nebenan setzt sich eine Testperson die virtuelle Datenbrille Google Glas auf die Nase. Sie kann auf gesprochene Befehle und Gesten reagieren. Der Träger bekommt Informationen in das Sichtfeld seines Auges projiziert – etwa Anleitungen für Wartungsarbeiten, Kurztexte und Computeranimationen. Ein anderer Tester streift sich einen Ring namens „Ring“ über. „Ring“ ist ein kleines Bedienelement am Finger zu Steuerung von Apps sowie Mobil- und Elektrogeräten durch Bewegungen. Die Übertragung erfolgt via Bluetooth. Was ist der Zweck? Zum Beispiel das Online-Überweisen von Geldbeträgen, sozusagen mit einem Fingerschnippen. Damit nicht genug: Eine Dame setzt sich eine Fernglas große Brille namens Oculus auf den Kopf. Oculus hat ein großes Sichtfeld und schnelle Bewegungssensoren. Die Brille vermittelt dem Träger, sich mitten in einer virtuellen Welt zu befinden. Zum Beispiel: der Gang durch einen Supermarkt oder die Probefahrt in einem Auto, das gar nicht vorhanden ist.

Ganz echt vor Ort flitzen Miniautos auf Rennstrecken über eine große Platte – ältere Mitmenschen assoziieren beim Anblick eine Carrera Rennbahn. Die Fahrzeuge werden entweder mit einem Tablet ferngesteuert oder sie bewegen sich autonom übers Fahrfeld. Damit’s keinen Crash gibt, melden Annäherungssensoren mögliche Gefahren. Soweit das computerbasierte Szenario namens „Sample Labs“ bei der Volksbank Pforzheim, die ihre Geschäftskunden zu diesem spielerischen Abend eingeladen hatte.

Von wegen spielerisch: „Sie alle haben etwas vor sich, nämlich die digitale Transformation“, betont Klemens Skibicki in seinem Fachvortrag. Er ist Professor für Economics, Marketing und Marktforschung an der Cologne Business School in Köln und Mitgründer der Internet-Beratungsagentur Brain Injection in Köln. Was meint er mit der Transformation? Die Anpassung an die neue Welt des digitalen Zeitalters – und zwar egal „ob Sie Socken verkaufen, Finanzprodukte oder Maschinen“.

Auch René Baum, Vorstandsmitglied der Volksbank, machte deutlich: „Die Digitalisierung der Industrie wird unaufhaltsam voranschreiten.“ Er forderte die Zuhörerschaft auf: „Bleiben Sie nicht zurück in der alten Welt der Industrie 3.0.“ Bei der digitalen Revolution – Baum sprach von „Mittelstand 4.0“ – werde sein Haus die Firmen- und Gewerbekunden unterstützend begleiten.

Für Skibicki ist eine „Veränderung in den Köpfen“ nötig. Vieles werde nicht mehr sein wie bisher. Was steckt hinter dem Begriff Industrie 4.0 und dem „Internet der Dinge“? Es sei die Kommunikation und die digitale Vernetzung der Maschinen und der Geräte untereinander. Heißt das also, dass das Internet in die Fabrik kommt? Nein, sagt Skibicki: „Die Fabrik kommt ins Internet.“ Der Anpassungsprozess sei unausweichlich. „Aus Wertschöpfungsketten werden Wertschöpfungsnetzwerke.“ Das Thema sei zwingend Chefsache, nichts für den Praktikanten.