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Besonders in der Damenkollektion setzt das Label Moritz Grossmann auf Außergewöhnliches – wie bei diesem asymmetrischen Modell. 
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Georg Leicht (Mitte) begrüßt einen ausgewählten Kundenkreis zur Vernissage in seinem Juweliergeschäft. 
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Die Frau in einer Männerdomäne: Christine Hutter, Geschäftsführerin der Uhrenmanufaktur Moritz Grossmann.  Fotos: Meyer 

Die Herrin der Uhren - Gründerin der Glashütter Manufaktur feirt Premiere in Pforzheim

Pforzheim. Was für Pforzheim die Goldschmiedeschule ist, ist für Glashütte die der Uhrmacher. So erklärt der Pforzheimer Juwelier Georg Leicht, wie groß die Bedeutung der kleinen sächsischen Stadt in der Branche ist. Dort sitzen die großen Namen wie Glashütte Original, A. Lange & Söhne, Nomos, Bruno Söhnle. Und seit 2008 auch Moritz Grossmann. Gegründet und geführt von einer Frau, Christine Hutter. Ein Alleinstellungsmerkmal.

„Ich kenne niemanden, der sich mit so viel Charme und Durchsetzungsvermögen in dieser Branche behauptet hat“, sagt Leicht über die Unternehmerin, deren Schmuckstücke noch bis 13. Juli in seinem Pforzheimer Juweliergeschäft in einer Sonderausstellung zu sehen sind. Die beiden haben sich vor mehr als 20 Jahren in Dresden kennengelernt. Seither hat sich viel verändert.

Hutter, 1964 im bayerischen Eichstätt geboren, ist gelernte Uhrmacherin. Sie arbeitet für verschiedene Unternehmen, bis sie beschließt, sich selbstständig zu machen. Die Namensrechte, die sie möchte, hat sie sich schon gesichert: Moritz Grossmann.

Grossmann lebte im 18. Jahrhundert und gilt bis heute als einer der vier bedeutendsten Uhrmacher. Er war es auch, der 1878 die Deutsche Uhrmacherschule gründete. „Die Konstruktion einer einfachen, aber mechanisch vollkommenen Uhr“ – dieser Satz Moritz Grossmanns ist heute das Leitbild von Hutters Manufaktur.

Soll heißen: Von außen kommen die Uhren, besonders die für Herren, vergleichsweise schlicht daher. Doch das was drinsteckt, ist das, was Moritz Grossmann ausmacht: feinste Technik. Uhrwerke werden eigens konstruiert, jedes doppelt montiert. Die Zeiger haben eine Stärke von gerade einmal 0,1 Millimeter. „Wir polieren Kanten, die sonst keiner mehr poliert“, sagt Hutter. All das lassen sich die Kunden auch einiges kosten: zwischen 20 000 und 170 000 Euro.

Vom Küchentisch in Dresden aus hat Hutter in zehn Jahren eine Uhrenmanufaktur aufgebaut, die Kunden auf der ganzen Welt hat. Wie? Indem sie Dinge anders macht. „Da ist immer ganz viel Mut dabei“, sagt Leicht. Anders ist Moritz Grossmann etwa, wenn es um das Design geht. Bei den Herren eher schlicht, klassisch. Bei den Damen dafür umso extravaganter: Da ist ein extrem asymmetrisches Modell oder eines mit einem Zifferblatt aus Perlmutt, handbemalt mit bunten Schmetterlingen. Sogar die eigenen Haare können Kunden in ihre Schmuckstücke einbauen lassen.

Die Marke Moritz Grossmann stellt ihre Uhren rund um die Welt mit einem eigenen Konzept vor. Auch das ist ein mutiger Schritt. Bevor es für Hutter weiter nach London geht, folgte am Mittwochabend erst einmal die Vernissage in Pforzheim. Eine Premiere. Noch nie wurden Moritz-Grossmann-Uhren in der Goldstadt präsentiert.

In Pforzheim hat die Unternehmerin in den 90er-Jahren übrigens selbst drei Jahre lang gelebt und gearbeitet. „Das sind schöne Erinnerungen“, sagt Hutter. „Einige Ecken habe ich wiedererkannt. Andere sind verschwunden.“ Geblieben ist ihre Verbundenheit zu Georg Leicht. Und die Liebe zum Uhrmacherhandwerk.

Lisa Scharf

Lisa Scharf

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