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Mit Reizen geizt die Region nicht: Nicht nur der Bannwald am Ruhestein ist ein echtes Wanderparadies. Fotos: Kraufmann, Rothfuss
Mit Reizen geizt die Region nicht: Nicht nur der Bannwald am Ruhestein ist ein echtes Wanderparadies. Fotos: Kraufmann, Rothfuss
Hauptredner war Steffen Vetterle von der Hochschule Pforzheim.
Hauptredner war Steffen Vetterle von der Hochschule Pforzheim.
19.05.2017

Die Region Nordschwarzwald ist „ein starkes Stück Baden-Württemberg“

Höfen. Das ist die Vision: Der Nordschwarzwald ist im Digitalbereich die bestausgestattete Region. Sie wird als einer der „Digital Hubs“ in Baden-Württemberg die Digitalisierung in der Fläche vorantreiben. Die Unternehmen sind hervorragend vernetzt und weltweit erfolgreich aktiv. Die Lebensqualität in der international bekannten Region sowie die touristisch attraktive Landschaft ziehen Fachkräfte mit ihren Familien aus nah und fern an. Als Standort mehrerer renommierter Hochschulen und mit dem Attribut Wissensregion profitieren die hier ansässigen Firmen bei der Personalsuche von den Studienabgängern. Kurzum: Die Region Nordschwarzwald ist im globalen Wettbewerb so gut aufgestellt, dass sie eine blühende Landschaft darstellt.

Und das ist die Realität: Als Hochschulstandort ist beispielsweise Pforzheim draußen in der Welt überhaupt nicht bekannt, stellt Professor Bernhard Kölmel immer wieder fest. Die Hochschule habe nicht etwa einen schlechten Ruf, „sie hat keinen“, macht er bei der gut besuchten Veranstaltung „Wirtschaftsdialog“ der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald (WFG) im Höfener Hotel Ochsen deutlich. Für Roswitha Keppler von der Kreishandwerkerschaft Calw ist ohnehin klar: Die Region habe zahlreiche „versteckte Werte“, aber „wir verkaufen uns nach außen zu wenig.“ Eine ähnliche Erfahrung machte Unternehmer Horst Graef (Energie Calw GmbH) vor zehn Jahren, als er den Kunden seinen Standort mitteilte: „Calw – wo liegt denn das?“ Graef wirbt unter der Flagge „Schwarzwald“, nicht Nordschwarzwald. Damit kann er weithin punkten.

Nicht etwa, dass die Region mit Unternehmen, Fachkräften und Lebensraum schlecht aufgestellt wäre, im Gegenteil: „Hier gibt es so viele Weltmarktführer“, stellt Gerd Meier zu Köcker von der Clusteragentur Baden-Württemberg fest. Seine Institution fungiert als Dienstleister für Cluster-Initiativen. Meier zu Köcker nennt drei Stärken für den Nordschwarzwald: die Design-Kreativ-Branche, die Präzisionstechnik und den Kunststoffbereich. Und Thomas Waldenspuhl (Leiter der Nationalparkverwaltung Schwarzwald) spricht beim Blick auf die Region von einem Dreiklang aus liebenswert grantigen Menschen, einer Technik mit Weltmarktflair und einer urwüchsigen Natur. Der Calwer Landrat und WFG-Aufsichtsratschef Helmut Riegger hebt den Tourismus als starken Wirtschaftsfaktor hervor, er nennt das leistungsfähige Handwerk in der Region und spricht nicht zuletzt vom „Mittelstand als Herzstück“. Riegger: „Es sind hervorragende Produkte, die aus dem Nordschwarzwald kommen.“

Wie also kann diese „Hidden-Champions-Region“ auf internationalem Parkett besser bekannt gemacht werden? Dazu stellt Diplom-Kommunikationsdesigner Steffen Vetterle, Dozent an der Hochschule Pforzheim, zunächst fest: „Sie haben tolle Zahlen, quasi Vollbeschäftigung“, der Nordschwarzwald sei „ein starkes Stück Baden-Württemberg“. Indes weist er auf die Unterschiede zwischen dem nördlichen, mittleren und südlichen Teil der Region hin: „Pforzheim und Mühlacker sind völlig anders aufgestellt als Calw oder Freudenstadt.“ Als Impulsredner bei der WFG-Veranstaltung mahnt Vetterle jedoch: „Sie müssen trotzdem mit einer Stimme sprechen.“ Die Vielschichtigkeit sieht er als Chance. Aber: „Wie kann man Vielfalt kommunizieren?

Dazu gebe es positive Beispiele, etwa die Darstellung von Südtirol, des Vorarlbergs oder Schleswig-Holsteins. Sie würden trotz ihrer Vielfalt mit einem eindeutigen Auftritt als Marke und Bild für sich werben. Wesentlich aber sei, so einer von mehreren Ansätzen Vetterles: „Lassen Sie Menschen sprechen.“ Sie sollten als Markenbotschafter die positiven Seiten ihrer Region in die Welt tragen, indem sie etwa ihre Lieblingsorte beschreiben oder andere Vorzüge benennen. Dabei komme es nicht auf „geschönte Typen“ an, sondern auf Authentizität.

Eine große Aufgabe also für WFG-Geschäftsführer Jochen Protzer und sein Team. Jetzt gelte es, die Identität und die Werte der Region zu klären und die Entwicklung der Marke von innen nach außen vorzunehmen.