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Höchst zufrieden: Konzernboss Müller (links) und Finanzchef Witter. Foto: Carstensen
Höchst zufrieden: Konzernboss Müller (links) und Finanzchef Witter. Foto: Carstensen
14.03.2018

Dieselkrise kann VW nicht stoppen - Vorstände kassieren Gehaltsplus

Berlin. Milliardengewinne in der Bilanz, Millionengehälter für das Management: Volkswagen verdient trotz weiter drückender „Dieselgate“-Lasten deutlich mehr und will 2018 noch beschleunigen.

2017 konnte die Stammmarke des größten Autokonzerns der Welt stark zulegen, die gesamte VW-Gruppe ebenso. Das Geld soll vor allem in Zukunftsinvestitionen bei E-Mobilität und neuen Dienstleistungen fließen. Auch die Konten der Vorstände sind prall gefüllt. Das Unternehmen stellte gestern seine Bilanz vor: Der Kernbereich VW Pkw warf 2017 einen Betriebsgewinn von rund 3,3 Milliarden Euro ab – bereinigt um Sonderkosten für die Dieselaffäre. Im Vorjahr waren es 1,9 Milliarden Euro gewesen. Die finanziellen Lasten bei der Bewältigung des Abgasskandals schlugen mit 2,8 Milliarden Euro für die Hauptmarke und 3,2 Milliarden Euro im Gesamtkonzern kräftig zu Buche, nahmen, verglichen mit 2016, aber ab (5,2/6,4 Milliarden).

„Es war das Jahr, in dem wir wieder in die Offensive gegangen sind“, sagte Vorstandschef Matthias Müller. Für die Führung bedeutet der positive Trend ein dickes Gehaltsplus. Die Mitglieder des Konzernvorstands kassieren insgesamt rund 50,3 Millionen Euro. Für 2016 hatte das Top-Management 39,5 Millionen Euro erhalten. Spitzenverdiener ist Müller mit mehr als 10,1 Millionen Euro.

In seiner Berliner Hauptstadt-Repräsentanz gab sich VW betont bescheiden. Statt kompletter Vorstandsriege und Dutzender ausgestellter Modelle wie sonst saßen nur Müller, Finanzchef Frank Witter und Kommunikationschef Hans Gerd Bode auf dem Podium.

Bei der Oberklasse-Tochter Audi liefen die Geschäfte zuletzt ebenfalls gut. Hier kletterte der operative Gewinn – ohne „Dieselgate“-Sonderkosten – von 4,8 auf 5,1 Milliarden Euro. Noch besser sah es bei Porsche aus, wo das Betriebsergebnis um 6,9 Prozent auf 4,14 Milliarden Euro stieg. Spekulationen um einen möglichen Börsengang der schweren Nutzfahrzeuge wollte Müller nicht näher kommentieren. Hierzu gebe es noch keine Entscheidungen.

Ein Schwerpunkt in dem Konzern soll der Ausbau der Fertigung von Elektroautos in deutlich mehr Werken als bisher sein. Bis Ende 2022 sollen batterie-elektrisch angetriebene Fahrzeuge an weltweit 16 Standorten gebaut werden. Derzeit sind es drei. Eine eigene Herstellung von Batteriezellen, bei denen deutsche Autobauer abhängig von Zulieferern aus Asien sind, sieht Müller derzeit nicht: „Das ist nicht unsere Kernkompetenz, das können andere besser.“

Müller bekräftigte, dass es in der Dieselkrise Defizite in der Autoindustrie gab: „Wir bei Volkswagen wissen, dass wir selbst dafür mitverantwortlich sind, dass sich diese Debatte derart zugespitzt hat. Wir wissen aber auch, dass unser Unternehmen – und unsere Branche insgesamt – Teil der Lösung sein muss und sein kann.“

In den USA konnten die Wolfsburger wegen der dortigen Steuerreform 2017 einen Sonderertrag verbuchen. Die Neubewertung bestimmter Bilanzposten hätten einen positiven Effekt von rund einer Milliarde Euro auf den Nettogewinn gehabt. Der Umsatz der Marke VW lag 2017 bei 80 Milliarden Euro, ein Minus von 24,3 Prozent. Jedoch ist dies nicht mit dem Vorjahreswert vergleichbar, weil VW einige Importgesellschaften nicht mehr zur Marke zählt.