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Stets zu Diensten: Roboter „Armar IIIb“ übt derzeit noch im Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Foto: Schmidt
Stets zu Diensten: Roboter „Armar IIIb“ übt derzeit noch im Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Foto: Schmidt
Ein Kunde wird bei Saturn in Ingolstadt von einem Roboter beraten. Foto: Weigel
Ein Kunde wird bei Saturn in Ingolstadt von einem Roboter beraten. Foto: Weigel
29.12.2016

Digitalisierung ersetzt Menschen: Die Roboter kommen

München. Sie sind genügsam, willig und werden nicht krank: Nach den Fabrikhallen der Industrie erobern Roboter auch andere Wirtschaftszweige. Die Unternehmen schätzen die effizienten Helfer. Aber viele Beschäftigte machen sich auch Sorgen, ob sie nicht schon bald durch maschinelle Kollegen verdrängt werden. Wirtschaftsverbände halten dagegen: Dank der Automatisierung würden Arbeiten künftig überhaupt erst möglich, die es so heute noch gar nicht gibt – das dürfte auch neue Jobs schaffen.

Industrie: Schon heute werden viele Arbeitsschritte von Maschinen übernommen – doch die vernetzte Produktion setzt auch in den Werkshallen eine weitere Automatisierungswelle in Gang. Das muss unterm Strich aber nicht zwangsläufig zu Jobverlusten führen, heißt es aus der Wirtschaft: Schon heute liege Deutschland bei der „Roboter-Dichte“ weltweit auf Platz drei hinter Südkorea und Japan – und trotzdem sei die Beschäftigung auf einem Rekordstand, erklärt der Maschinenbau-Verband VDMA. Auch der Präsident des Elektronik-Branchenverbandes ZVEI, Michael Ziesemer, sagt: „Es können auch mehr Jobs entstehen als wegfallen.“

Amazon: Die achte Generation – so nennen die Manager des US-Konzerns ihr neues Projekt, das die Arbeitsabläufe in den Amazon-Logistikzentren fundamental verändern wird. 2017 kommt diese achte Generation nach Deutschland. Das Pilotprojekt startet in Winsen bei Hamburg. Dort wird die meiste Arbeit zwischen den Regalen von Robotern verrichtet. Mit ihnen will der Internethändler noch effizienter, also kostengünstiger und schneller werden. Die Gewerkschaft Verdi kündigt weitere Proteste an. Während in herkömmlichen Logistikzentren unzählige Menschen mit Rollwagen durch die Hallen gehen und die bestellte Waren aus den Regalen holen, wird dieser Prozess in Winsen völlig auf den Kopf gestellt: Dort werden die Regale von Robotern zu den Menschen gebracht, diese müssen dann die Artikel nur noch in die Kartons einpacken. Bis Ende 2017 werden bundesweit sechs neue Lagerzentren entstehen. Damit wird das Unternehmen aus Seattle in seinem zweitwichtigsten Auslandsmarkt seine Kapazitäten innerhalb eines Jahres um etwa 75 Prozent steigern. Derzeit betreibt Amazon in Deutschland acht Logistikstandorte, einen davon in Pforzheim.

Transport und Logistik: Vor allem das vernetzte und automatisierte Fahren dürfte künftig viele Jobs überflüssig machen. „In der Zukunft wird es keine Lokführer mehr geben, vielleicht auch keine Taxifahrer und Lkw-Fahrer mehr“, glaubt etwa Bayerns DGB-Chef Matthias Jena. Studien prognostizieren Ähnliches: Bereits in zehn Jahren könnte jeder dritte in Europa verkaufte Lastwagen auf der Autobahn automatisiert fahren, erwartet etwa die Beratungsfirma McKinsey. Im Gegenzug könnten rund um die Roboter-Autos und -Lkw aber auch neue Service-Dienstleistungen entstehen.

Büro: Schreibarbeiten, Auftragsabwicklung und Abrechnungen – Büro- und kaufmännische Fachkräfte erledigen nach Experteneinschätzungen Arbeiten, die heute schon zu einem hohen Grad automatisierbar sind. Dadurch könnten auch etliche Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen: Mehr als 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind in solchen Berufen tätig.

Verkäufer und Kassierer: Der Handel wurde als eine der ersten Branchen von der Digitalisierung erfasst - entsprechend laufen im Online-Handel viele Prozesse automatisiert ab. In stationären Läden aber sitzen meist noch Menschen an den Kassen, obwohl sich auch das Bezahlen automatisch regeln lässt.

Landwirtschaft: Sie melken die Kühe, füttern, misten aus und helfen beim Ernten – Roboter haben längst auch auf den Bauernhöfen Einzug gehalten. Wo bisher meist viel Arbeit von wenigen Händen erledigt werden musste, sind maschinelle Kollegen eine willkommene Unterstützung. Ausschließlich maschinell wird aber auch der Bauernhof der Zukunft mit seinen vielfältigen Tätigkeiten wohl nicht funktionieren.

Krankenhaus und Altenheim: Roboter in der Pflege – was in Japan bereits zum Alltag gehört, bereitet vielen Menschen in Deutschland noch eher Unbehagen. Doch weil das menschliche Personal knapp ist, könnten Roboter auch hierzulande zur wichtigen Stütze werden. Im Einsatz sind sie teils schon heute bei der Essensverteilung oder beim Transport von Wäsche und Sterilgut – und als präzise Helfer am OP-Tisch.

Reinigungsdienste: Auch im Haushalt tun Roboter schon ihren Dienst, und neue Anwendungen dürften mit dem vernetzten Zuhause hinzukommen. Der Welt-Roboter-Verband IFR erwartet, dass von 2016 bis 2019 weltweit insgesamt rund 30 Millionen Roboter verkauft werden, die beim Rasenmähen, Staubsaugen oder Fensterputzen helfen. Assistenzroboter für Menschen mit Behinderung sind da noch nicht eingerechnet. Die Haushaltshilfe aus Fleisch und Blut aber werden sie nach Einschätzung des Heidelberger Instituts für Trend- und Zukunftsforschung nicht ersetzen. Manche Hausarbeit kann von Menschen einfach besser und schneller erledigt werden.

Lehrer und Erzieher: E-Learning gibt es zwar längst. Doch in Kindergarten, Schule oder Ausbildung geht es um mehr als um das reine Vermitteln von Stoff. Überall da, wo Sozialkompetenz, pädagogisches Wissen und Empathie gefragt sind, werden Roboter zumindest auf absehbare Zeit kaum mit dem Menschen mithalten können, ist Katharina Dengler vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung überzeugt.