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05.06.2008

Dreifachmesse kein Magnet

KARLSRUHE. Mit 1600 Besuchern deutlich hinter den Erwartungen ist der Andrang auf der Fachmesse Interpart geblieben. Sie richtete sich an Entscheidungsträger aus den Bereichen Automobil, Maschinenbau und Medizintechnik.

Ernüchterung gleich beim Betreten der Karlsruher Messehalle: Die aufgebauten Stände belegen gerade mal 2/3 der verfügbaren Ausstellungsfläche – für drei ambitionierte Fachmessen unter einem Dach ein schwaches Bild. Auch der Besucherandrang ist enttäuschend. Verärgert zeigt sich eine dreiköpfige Besuchergruppe aus Bayern, die neben Metall verarbeitenden Ausstellern auf der „Interpart“ auch einen attraktiven Mix aus der Oberflächentechnik („Surfacts“) und der Medizintechnik („medipart“) erwartet hatte. Doch das Angebot war begrenzt, weil wohl auch die zeitgleich stattfindende Internationale Fachmesse für Oberflächenbeschichtung (O&S) in Stuttgart starke Magnetwirkung entfaltete. Nächstes Jahr soll die Pforzheimer Fachmesse „Stamping Days“ neuen Schwung in die Karlsruher Messehallen bringen. Die Stanztechnik-Schau lockte in den Vorjahren mehrere Tausend Besucher ins Congress-Centrum der Goldstadt. Der amerikanische Messeveranstalter Canon Communications will die Stamping Days 2009 in die bestehende Kombination aus „Interpart“, „Surfacts“ und „medipart“ integrieren (siehe nebenstehenden Artikel).

Pause wäre besser gewesen

„Der Messeveranstalter hat zu wenig Werbung gemacht“, sind sich dagegen die Aussteller aus dem Pforzheimer Raum einig. „Es wäre besser gewesen, ein Jahr zu pausieren und im nächsten Jahr einen neuen Anlauf für die Interpart zu starten“, meint auch Vertriebsleiter Michael Benz von der Firma Prefag Carl Rivoir in Walzbachtal. Das Unternehmen kommt ursprünglich aus der Pforzheimer Uhrenindustrie und hat sich mit analogen Messinstrumenten einen Namen gemacht. Kontrollanzeigen von Prefag fliegen im Airbus und in Hubschraubern mit. Außerdem fertigt das Unternehmen, das zur Memminger Magnet-Schultz-Gruppe gehört, hochpräzise Bauelemente für Magnetventile. Prefag beschäftigt 240 Mitarbeiter.

Angelika Domig und Andreas Odenwald vom Pforzheimer Drehteile-Spezialisten Böhmler hatten sich eigentlich auf den Karlsruher Messeauftritt gefreut. Schließlich hatte es im Vorjahr auf der „Interpart“ einige vielversprechende Kontakte mit Neukunden gegeben. Böhmler hatten deshalb wieder einen Stand im Zentrum der Messehalle gebucht. Beim Aufbau staunten die beiden Führungskräfte nicht schlecht, als sich der Böhmler-Stand unmittelbar am Ende der Ausstellungsfläche wiederfand – nur durch eine Plane abgetrennt vom leerstehenden Teil der Halle. Der fehlende Teppichboden war da nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Auch die Pforzheimer Aussteller am Gemeinschaftsstand der Handwerkskammer Karlsruhe waren alles andere als begeistert. „Wir sind seit sieben Jahren auf der Messe vertreten. In den Vorjahren war viel mehr los“, bestätigt Firmenchef Martin Keuerleber vom gleichnamigen Präzisionstechnik-Unternehmen.

Modelle für Rennwagen

Grundsätzlich sei ein standortnaher Veranstaltungsort positiv, ergänzt Heimo Kraut, Erodierspezialist aus Keltern. Sein Unternehmen besteht seit 25 Jahren und beschäftigt sechs Mitarbeiter. Mit den Partnern aus dem Pforzheimer Raum sei man auf der Messe längst ein eingespieltes Team. „Deshalb sind wir auch wieder dabei“, betont Manfred Schäfer, Modell- und Formenbauer aus Mühlacker. Die Firma Schäfer fertigt Prototypen – beispielsweise maßstabsgerechte Modellteile für den Spoiler des BMW Formel-I-Rennwagens, um die Aerodynamik im Windkanal zu testen.