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Dem Bauernverband zufolge zeichnen sich schon jetzt in Teilen des Landes große Ernteausfälle ab, weil etwa Getreide und Gras nicht ausreichend wachsen. Foto: Lino Mirgeler/dpa
Dem Bauernverband zufolge zeichnen sich schon jetzt in Teilen des Landes große Ernteausfälle ab, weil etwa Getreide und Gras nicht ausreichend wachsen. Foto: Lino Mirgeler/dpa
31.07.2018

Dürre bedroht die Existenz: Bauern fordern Milliardenhilfe

Berlin. Angesichts bedrohlicher Einbußen durch die wochenlange Dürre in vielen Regionen Deutschlands dringen die Bauern auf rasche Nothilfen. „Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Montag.

Dafür sollten der entsprechende Notstand erklärt und dann ein solches Budget bereitgestellt werden.

Heute wollen Bund und Länder eine erste Bestandsaufnahme zu Schäden auf Feldern und Wiesen machen. Das Bundesagrarministerium bekräftigte, dass über Bundeshilfen erst nach der für Ende August geplanten Abschlussbilanz der Ernte entschieden werden soll.

Rukwied sagte: „Wir fordern jetzt Liquiditätshilfen, damit wir Betriebe, deren Ertrag mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten Jahre liegt, direkt unterstützen können.“ Die ökologisch orientierte Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft mahnte in erster Linie „faire Erzeugerpreise“ bei allen Marktbeteiligten an. Rufe nach staatlichen Hilfen seien zu einfach.

Wegen anhaltender Hitze und Trockenheit vor allem im Osten und Norden Deutschlands befürchten viele Bauern massive Ausfälle bei der Ernte von Getreide, aber auch von Gras als Tierfutter. Dies könne teils existenzbedrohende Ausmaße annehmen, heißt es von der Branche. Heute wollen Ministeriumsexperten von Bund und Ländern in Berlin über die Lage beraten. Morgen will Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) dann auch das Kabinett informieren. Beschlüsse über mögliche Bundeshilfen werden von beiden Terminen nicht erwartet. Erst wenn Schäden von „nationalem Ausmaß“ festgestellt werden, kann auch der Bund Finanzhilfen leisten. Zuletzt war dies 2003 wegen einer Dürre der Fall und 2013 wegen Hochwasserschäden.

Klöckner äußerte sich erneut „sehr besorgt“ über die Dürre-Situation. „Es zeichnen sich geringere Getreideerträge, starke Trockenschäden bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben ab. Viele Viehhalter haben Not, ihre Tiere zu versorgen, weil das Gras als Futter fehlt.“ Eine kleine Entlastung sei für den einen oder anderen Hof, dass Erzeugerpreise um etwa zehn Prozent im Vergleich dem Vorjahr gestiegen seien.

Eventuelle Folgen der Dürre für Supermarktkunden sind noch ungewiss. Eine Mengenprognose und damit verbundene Auswirkungen auf die Preise könnten aus heutiger Sicht seriös noch nicht abgegeben werden, hieß es etwa bei der Rewe Group. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie verwies auf generell länger laufende Lieferverträge, wobei nicht alle Preissteigerungen eins zu eins an die Verbraucher weitergegeben würden.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) forderte angesichts der Dürre und der geringeren Menge an Futtermitteln deutlich höhere Milchpreise. „Nötig wären 41 Cent pro Liter“, sagte Sprecher Hans Foldenauer. Im Mai hatten Experten für den Herbst Auszahlpreise von 36 bis 38 Cent je Liter erwartet.

Kommentar, Seite 2