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Das Dilemma um den Bio-Sprit E10 scheint so schnell kein Ende zu finden. Am Ende könnte es für den Verbraucher noch teurer kommen als jetzt schon.
Das Dilemma um den Bio-Sprit E10 scheint so schnell kein Ende zu finden. Am Ende könnte es für den Verbraucher noch teurer kommen als jetzt schon. © dpa
07.03.2011

E10-Debakel: Der Verbraucher ist immer der Dumme

Verbraucherschützer versprechen sich wenig vom «Benzingipfel» zum Debakel beim umstrittenen Biosprit E10. Egal, was am Dienstag herauskommen werde: «Letzten Endes wird es auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen», sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen, Roland Pause in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

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Die Verbraucher seien verunsichert. Sie wüssten nicht, ob ihr Auto überhaupt E10 verträgt. Die Klimabilanz des Ökokraftstoffs sei umstritten. «Durch die Verunsicherung traut sich der Verbraucher gar nicht, E10 zu tanken, sondern greift lieber zum teureren SuperPlus», sagte Pause. Er mutmaßte zudem, dass schon vor der Einführung von E10 an der Preisspirale gedreht wurde, damit der Ökokraftstoff attraktiver erscheine.

Sollte der Kaufstreik an den Zapfsäulen zur Rücknahme von E10 führen, sei wiederum der Verbraucher der Dumme. Dann nämlich müssten die Mineralölkonzerne Strafzahlungen leisten - gerechnet wird mit 2 Cent pro Liter. «Das legen sie sowieso auf die Kunden um und am Ende steht der Verbraucher als verloren da», kritisierte Pause.

Vorschläge, wie das Debakel um E10 nachträglich gemildert werden könnte, hat Pause nicht. «Was will man machen, wenn der Verbraucher einmal verunsichert ist?» Er glaube, der Markt werde über das Schicksal des Ökokraftstoffs entscheiden. Der Verbraucherschützer fällt ein vernichtendes Urteil zur E10-Einführung: «Das war eine Schnapsidee.»

Was ist überhaupt vom Benzin-Gipfel zu erwarten? Wohl nur das Bekenntnis zu einer Informationsoffensive. Während die Mineralölbranche jedes neue Produkt mit massivem Aufwand bewirbt, hat sie bei E10 die Füße ziemlich still gehalten. Aber ob mehr Infos noch helfen? Schließlich gibt es wegen der zweifelhaften Klimabilanz, Angst vor Motorschäden und einer oft befürchteten Konkurrenz zur Produktion von Nahrungsmitteln auch eine generelle Skepsis gegenüber Biokraftstoffen.

Die Benzinbranche selbst spricht davon, dass sich angesichts bereits gedrosselter Raffinerie-Produktion und voller E10-Tanks in den nächsten zwei Wochen etwas ändern muss. Zu konkreten Verkaufszahlen an den bisher rund 7000 Tankstellen mit E10-Zapfsäulen will man nicht viel sagen.

Bis zu drei Prozent soll der Verbrauch mit E10 im Tank höher liegen. Das schlägt sich negativ auf die Umweltbilanz aus.

Und was passiert, wenn E10 den Motor ruiniert? In der Regel gibt es eine Haftung nur im Rahmen der üblichen Garantieleistungen. Die Autobauer stemmen sich aber dagegen, dass sie zur Kasse gebeten werden, wenn E10 langfristig Schaden anrichtet und Schläuche oder Einspritzpumpen angreift. In anderen EU-Ländern wird E10 zum Teil erst in Modellregionen getestet, um zu sehen, ob es funktioniert.

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