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Das Technologie- und Entwicklungszentrum von E.G.O. in Oberderdingen bildet das Herzstück der Gruppe, die allein am Standort 1750 Beschäftigte zählt. E,.G.O.
Das Technologie- und Entwicklungszentrum von E.G.O. in Oberderdingen bildet das Herzstück der Gruppe, die allein am Standort 1750 Beschäftigte zählt. E,.G.O.
03.12.2015

E.G.O. Oberderdingen: 270 Stellen fallen weg

Oberderdingen. Das war ein hartes Stück Arbeit: Seit Mai haben Betriebsrat und Geschäftsführung der E.G.O.-Gruppe in Oberderdingen über einen neuen Standortsicherungsvertrag verhandelt. Der wurde in der vergangenen Woche unterzeichnet.

„Der Vertrag ist ein wichtiger Schritt, um den Standort zukunftsfähig zu machen und mittel- bis langfristig Arbeitsplätze zu sichern“, betont Johannes Haupt, Vorsitzender der E.G.O.-Geschäftsführung. Fazit: Das Traditionsunternehmen investiert in neue Technologien, die 1750 Beschäftigten arbeiten zwei Stunden pro Woche länger und verzichten auf ein Viertel ihres Weihnachts- und Urlaubsgelds. Dieses Abweichen vom Tarifvertrag der Metallindustrie entlaste den Standort um durchschnittlich 5,5 Millionen Euro pro Jahr. Seit dem Jahr 2011 gab es bereits ein ähnliches Abkommen. Neben den Investitionen von mindestens 36 Millionen Euro garantiere der neue Vertrag, dass die Produktion von Strahlungsheizkörpern für Kochfelder, Kochplatten und Thermostaten am Standort mittelfristig gesichert wird.

Zudem sollen Innovationsprodukte ausgebaut werden, allen voran die Entwicklung und Fertigung neuer Elektronikkomponenten. Die Produktion von Rohren und Rohrheizkörpern sowie die Mischerei für die Kochplattenproduktion werden dagegen Ende 2016 und das Stanzzentrum Ende 2017 geschlossen. Insgesamt werden in den kommenden Jahren insgesamt rund 270 Stellen am Standort Oberderdingen wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen dabei möglichst vermieden werden, hieß es.

Geschäftsleitung und Betriebsrat verweisen auf eine sozialverträgliche Lösung durch Angebote zum vorzeitigen Ausscheiden an die Jahrgänge zwischen 1950–1959. Pro Jahr Betriebszugehörigkeit wurde das 1,15-fache eines Monatsgehalts als Abfindung vereinbart. Das Interesse daran sei groß.

Die Standortsicherung tritt am 1. Januar 2016 in Kraft und gilt für fünf Jahre. Das kann Betriebsratsvorsitzender Bruno Nehring als weiteren Erfolg der schwierigen Verhandlungen verbuchen. Die E.G.O.-Gruppe wird in dieser Zeit in die Weiterentwicklung des Standortes und die Qualifikation der Mitarbeiter investieren. „Oberderdingen muss im nationalen und internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleiben – insbesondere auch gegenüber den anderen Standorten der E.G.O.-Gruppe. Der Vertrag hilft uns dabei, die dafür nötigen Voraussetzungen zu schaffen“, betont Haupt.

Denn was die Wettbewerbsfähigkeit mancher E.G.O.-Produkte angeht, haben diese ein Standortproblem. „Die klassischen Rohrheizkörper kann man inzwischen überall auf dem Planeten billiger produzieren“, hatte der Manager deutlich gemacht. Rund 50 Prozent der am Stammsitz Oberderdingen gefertigten Produkte kamen auf den Prüfstand, weil sie die gewünschte Umsatzrendite von mindestens fünf Prozent nicht mehr erbringen. Um Kosten besser zuzuordnen und innerhalb der Unternehmensgruppe vergleichen zu können, werden die Fertigungsbereiche am Standort in eine eigene Produktionsgesellschaft ausgegliedert. Der Gruppen-Umsatz soll 2015 auf 600 Millionen Euro steigen.